Landesbischöfin kritisiert Betreuungsgeld und Kinderarmut in Deutschland

Nachricht 28. Dezember 2009

Berlin/Hannover (epd). Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, hat sich erneut gegen das von der schwarz-gelben Koalition beabsichtigte Betreuungsgeld gewandt. Das Betreuungsgeld könnte für manche Eltern ein Anreiz sein, "Kinder gerade nicht einer Bildungseinrichtung anzuvertrauen", sagte die hannoversche Landesbischöfin dem in Berlin erscheinenden "Tagesspiegel am Sonntag".

Am bedrückendsten sei für sie "die wachsende Kinderarmut und dass viele Kinder und Jugendliche selbst nicht mehr daran glauben, aus der Armut herauszukommen". Daher sei die Ganztagsschule wichtig - "viel wichtiger als ein Betreuungsgeld", ergänzte Käßmann.

Zugleich kündigte sie an, dass die Kirchen als größter privater Träger von Kitas und Krippen in ihren Einrichtungen "noch mehr Wert auf die Bildung legen" werden. Dabei kritisierte sie, dass Kommunen Verträge mit Kitaträgern kündigten, "weil andere Anbieter uns bei der Bezahlung des Personals unterbieten". "Ich finde es schwierig, wenn in einem so wichtigen Bereich der billigste Anbieter zum Maßstab wird", sagte Käßmann.

Mit Blick auf den "Unterbietungswettbewerb" bei den Gehältern in der Pflegebranche sprach sich Käßmann für einen bundeseinheitlichen Tarif aus. "Pflegekräfte müssen so bezahlt werden, dass sie ihre Arbeit mit Lust und Liebe machen können." Dabei sprach sie sich auch für eine engere Zusammenarbeit zwischen diakonischen Einrichtungen und Kirchengemeinden aus. Dies dürfe aber nicht dazu führen, dass der Staat sich aus dem Pflegebereich herauszieht. Angesichts der damit verbundenen Kosten für die öffentliche Hand kritisierte Käßmann auch die geplanten Steuersenkungen.

epd lnb bas mig/27.12.2009
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