Weihnachtsandacht: Geschenke

Nachricht 25. Dezember 2009

Weihnachten und Geschenke - das gehört doch einfach zusammen. Dass wir einander beschenken - und ein Lächeln zurückgeschenkt bekommen. Weil das Geschenk ein Ausdruck der Beziehung ist, die wir zueinander haben. Genau so wichtig wie das Geschenk selbst ist ja die Haltung, ist der Gedanke, mit dem zuvor gesucht und gefunden wurde und dann geschenkt wird. Das wissen wir und das spüren wir auch.


„Geschenke zu Weihnachten? Bei uns nicht. Wir haben doch auch alles!“ Ist das eine rigorose Absage an einen vermeintlichen Konsumzwang zum Fest? Ein Zeichen von Überfluss? Oder doch eher ein Ausdruck von Ratlosigkeit?


Mit solchen Sätzen ist ein mehrfacher Irrtum verbunden. Als ob der materielle Wert eines Geschenkes seinen Wert ausmacht. Als ob es bei der Sitte, sich zu Weihnachten gegenseitig zu beschenken, um eine Art Olympiade geht, bei der die Messlatte von Jahr zu Jahr etwas höher liegt. Und dass keine Wünsche mehr offen sind, weil man alles hat, stimmt im Blick auf die Menschen unter uns, die sich nicht nur zum Fest viel weniger leisten können als andere, so einfach nicht. Manche allein erziehende Mutter würde gerne die Wünsche ihrer Kinder erfüllen, statt ihnen erklären zu müssen, warum die Weihnachtsträume nicht wie sehnlichst erhofft in Erfüllung gehen.


Haben wir wirklich alles? Kaum etwas ist in der Öffentlichkeit in den vergangenen Monaten so oft beklagt worden wie fehlendes Vertrauen. Und nichts scheint zurzeit wichtiger, als eben dieses wiederzugewinnen – in ganz verschiedenen Beziehungen: in der Wirtschaft, damit möglichst viele Menschen auch im kommenden Jahr Arbeit haben; in der Politik, damit eine manchmal deutlich spürbare Verdrossenheit nicht weiter um sich greift; im Sport, damit nicht über allem weiterhin ein Verdacht des Betrugs schwebt; aber vielleicht auch in unseren ganz privaten Beziehungen, denn nur im Vertrauen lassen sie sich wirklich leben.


Allerdings, Vertrauen kann man nicht befehlen. Vertrauen kann man nur riskieren – und schenken. Und wo Vertrauen zerbrochen ist, braucht es vertrauensbildende Maßnahmen, damit es wieder wachsen kann. In der Wirtschaft, in der Politik, im Sport und ganz persönlich. Sonst bleibt es bei dem letztlich fatalen und leider sprichwörtlich gewordenen Satz: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Oder vielleicht bei dem resignierten Spruch: „Vertrauen? Geschenkt!“


An Weihnachten singen und hören wir es wieder: „Lobt Gott, ihr Christen allzu gleich in seinem höchsten Thron, der heut schließt auf sein Himmelreich und schenkt (!) uns seinen Sohn.“


Was ist das Kind in der Krippe anderes, als eine einzige vertrauensbildende Maßnahme Gottes gegenüber uns Menschen? Gott als Kind unter uns und für uns. Und damit im guten Sinne: Vertrauen – geschenkt! Darauf, dass das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen nicht einfach einem blinden Zufall ausgeliefert ist. Dass selbst aus Bösem und Schwerem Gutes entstehen kann. Dass Menschen nicht nur zu Hass und Gewalt, sondern auch zu Zivilcourage und Zuwendung fähig sind. Dass Hoffnung und Engagement etwas bewegen können – im Kleinen wie im Großen. Dass „Gott auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet“, wie der Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer zu Weihnachten 1942 aus dem Gefängnis schreibt.


Befehlen kann man dieses Vertrauen nicht. Nicht einmal uns selbst. Aber Gott wirbt um unser Vertrauen als wehrloses Kind in der Krippe, in dem er zur Welt kommt und sich ihr aussetzt. Ohne Macht und Gewalt, schutzlos und sich an diese Welt riskierend. Vertrauensvoll – und gerade deshalb vertrauenswürdig: Gott glaubt an uns. Das ist der Grund dafür, dass wir ihm vertrauen und dass wir uns von ihm so reichlich beschenken lassen.


Dass in unserem gegenseitigen Schenken und Beschenkt-Werden etwas von diesem Vertrauen aufleuchtet, wünsche ich uns allen.


Gesegnete Weihnachten!


Ihr

Eckhard Gorka

Landessuperintendent des Sprengels Hildesheim-Göttingen

der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers