Landesbischöfin fordert kostenlosen Mittagstisch für alle Schüler

Nachricht 22. Dezember 2009

Hannover (epd). Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, hat für alle Kinder einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Ganztagsschule mit kostenlosem Mittagessen gefordert. Das sei eine staatliche Verpflichtung, sagte sie in einem epd-Gespräch in Hannover: "Ich finde es unerträglich, dass nur diejenigen in Schulkantinen Essen bekommen, die auch dafür bezahlen können, während die anderen zusehen müssen." In Deutschland lebe bereits jedes sechste Kind unter der Armutsgrenze. Das seien allein in Niedersachsen rund 200.000 Kinder.

Als Beispiel nannte die hannoversche Landesbischöfin einen von der Kirche gesponserten Mittagstisch für eine Grundschule in einem sozialen Brennpunkt von Hannover. Es gebe Platz für 20 Kinder, mehr als 60 hätten jedoch Bedarf angemeldet. Die intensive Betreuung der Schülerinnen und Schüler habe dazu geführt, dass sechs von ihnen den Sprung zum Gymnasium geschafft hätten.

Eltern haben Käßmann zufolge eine Erziehungspflicht. Besonders junge Eltern hätten dafür aber oft gar keine Maßstäbe mehr. Manche bräuchten eine gezielte Unterstützung von außen. Die Frage sei, wie diese Familien so niedrigschwellig wie möglich erreicht werden könnten. Eine wichtige Rolle spielten dabei aufsuchende Sozialarbeiter: "Sie müssen die Situation in einer Familie wahrnehmen und im Bedarfsfall intervenieren." Vor allem alleinerziehende Mütter würden zu häufig von Staat und Gesellschaft auch allein gelassen.

Neben der schulischen Bildung schaffe auch die frühkindliche Elementarbildung in Kindertagesstätten eine Grundlage für die beruflichen Herausforderungen in einer zunehmend global gestalteten Gesellschaft. Deshalb sehe sie das von der Bundesregierung geplante Betreuungsgeld kritisch, betonte Käßmann. "Ich befürchte, dass manche Kinder, denen eine Förderung in der Kinderkrippe oder Tagesstätte gut täte, hier ausgegrenzt werden, weil ihre Eltern sich für das Betreuungsgeld und gegen die Betreuungseinrichtung entscheiden."

Bedürftige Familien sollten stattdessen Gutscheine für Mitgliedschaften in Sportvereinen, für Schwimmbadbesuche oder für den Zoo erhalten: "Kinder aus armen Familien werden ohnehin schon zu oft von gesellschaftlichen Aktivitäten ausgeschlossen."

epd lnb mil/ts/22.12.2009
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