Alleinerziehende und Erwerbslose noch stärker von Armut bedroht / Diakonie-Direktor: "Kinderarmut in Niedersachsen bleibt ein Skandal"

Nachricht 16. Dezember 2009

Armuts- und Reichtumsbericht in Niedersachsen für 2008 vorgelegt

Der Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen hat in der Dezemberausgabe der Statistischen Monatshefte über die Entwicklung von Armut und Reichtum in Niedersachsen 2008 berichtet. Demnach habe sich zwar die soziale Schere im Jahr 2008 minimal geschlossen. Die Armutsgefährdung von Kindern und Jugendlichen sei auf etwa 20% gleich geblieben. Jedoch seien Alleinerziehende (42,3%) und Erwerbslose (56,2%) gegen den Trend stärker von Armut bedroht (Anstiege um 4,9%, bzw. 7,2%).



Des weiteren erhöhten eine schlechte Ausbildung und/oder ein Migrationshintergrund das Armutsrisiko erheblich. Bei der Armutsprävention gehe es darum, Kinder und Jugendliche zu integrieren, sowie zu qualifizieren. Im Jahre 2009 würden dann die Folgen der Wirtschaftskrise zum Tragen kommen. Dies sei relevant, da mehr als die Hälfte der Erwerbslosen als armutsgefährdet gelte.



Link zum Statistischen Monatsheft Dezember 2009:


http://www.nls.niedersachsen.de/Monatsheft/MH_12_2009.pdf




+++++



Diakonie-Direktor: "Kinderarmut in Niedersachsen bleibt ein Skandal"




Diakonie-Direktor Dr. Christoph Künkel zum Bericht des Landesbetriebes für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen (LSKN):



"Die Armut in Niedersachsen stagniert bei 14,7 Prozent auf einem hohen Niveau und liegt immer noch knapp über dem Bundesdurchschnitt. Sieht man sich die statistischen Daten genauer an, dann wird deutlich, dass das Armutsrisiko z.B. von Alleinerziehenden im Vergleich zu 2005 sogar stark gestiegen ist (plus 6,3%).



Fast jede zweite Alleinerziehende in Niedersachsen ist von Armut bedroht (44,8 %), bei Erwerbslosen sind es sogar 58 Prozent (plus 8,1%). Offensichtlich greifen die bisherigen Maßnahmen, um die Armut und Armutsgefährdung in den Griff zu bekommen, nicht. Das bereitet uns große Sorge, denn es ist ein Skandal, dass jedes fünfte Kind bei uns von Armut bedroht ist! Ferner gehen die Daten auf das Jahr 2008 zurück, d.h. es sind die Folgen der Wirtschaftskrise noch nicht berücksichtigt. Wir dürfen uns jetzt nicht zurücklehnen, sondern müssen alle politischen und gesellschaftlichen Kräfte in die Pflicht nehmen und die Kräfte konzentrieren, sonst setzen wir unsere Zukunft aufs Spiel."



Bernd Prigge / 16.12.2009

Pressesprecher des Diakonischen Werkes der

Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers