Hannoversche Kirchengemeinde zieht positive Bilanz der Aktion "Geld verschenken"

Nachricht 13. Dezember 2009

Hannover (epd). Das Experiment "Geld verschenken" der Lutherkirchen-Gemeinde in Hannover ist nach Ansicht der Organisatoren gelungen. Insgesamt 1.595 Euro verschenkte die evangelische Gemeinde in der Nordstadt im September während eines Gottesdienstes an etwa 350 Besucher und sorgte damit bundesweit für Schlagzeilen. Jeder, der einen Fünf-Euro-Schein erhalten hatte, sollte damit seine persönlichen Gaben entdecken und sie sinnvoll und kreativ einsetzen. Am Sonntag kamen rund 120 Menschen im Gottesdienst zusammen und zogen unter dem Titel "Schöne Bescherung" eine erste Bilanz.

Eine ältere Dame erwarb Garn und häkelte Topflappen, die sie für zehn Euro das Paar abgab. Eine Mutter legte noch einmal fünf Euro drauf und kaufte Zutaten für eine Ringelblumensalbe. Ihr Sohn und ein Freund verzehnfachten den Einsatz, indem sie die Salbe in der Fußgängerzone für knapp 100 Euro verkauften. Jeder, der sich an der Aktion beteiligt hatte, konnte seinen "Gewinn" während des Gottesdienstes unter der Kanzel in einen Korb abgeben. Im Januar will die Gemeinde die genaue Summe bekanntgeben und entscheiden, wem das Geld zugutekommen soll.

Im September hatte sich die Gemeinde mit dem biblischen Gleichnis von den anvertrauten Pfunden beschäftigt. Darin sollen Knechte versuchen, anvertrautes Geld zu vermehren. In seiner Predigt am Sonntag sagte Pastor Matthias Grießhammer, jeder habe mit dem Geld etwas gemacht. Einige hätten zu häuslichen Abenden mit Gesang und Gedichten eingeladen, andere für die Nordstädter Kindertafel gesammelt. Ein Mann habe einfach nur einen Kumpel in der Kneipe zum Bier eingeladen, auch das sei in Ordnung. Ziel sei es gewesen, die Menschen in Bewegung zu bringen.

Die Aktion sei aber auch kritisiert worden, sagte Grießhammer. So hätten manche Spender der Gemeinde-Stiftung, aus der der Grundstock des verschenkten Geldes stammte, von "Blödsinn" und "Verschwendung" gesprochen. Der Pastor sagte, schon in den biblischen Gleichnissen werde deutlich, dass es nicht immer auf Zustimmung stoße, wenn jemand etwas Gutes tue. "Aber manchmal ist es so, da musst du das Richtige tun, was dein Herz dir sagt und mit Widerstand rechnen."

Vor zwei Jahren hatte bereits die evangelische Kirchengemeinde Collinghorst bei Leer in Ostfriesland für Aufsehen gesorgt, weil sie Fünf-Euro-Scheine im Gottesdienst verschenkte. Aus rund 200 Scheinen und etwa 1.000 Euro wurden dabei am Ende knapp 3.000 Euro. Der hannoversche Problemstadtteil Nordstadt mit hoher Arbeitslosigkeit und vielen Obdachlosen sei jedoch nicht Ostfriesland, sagte Grießhammer am Rande des Gottesdienstes. Er rechne nicht mit einer solchen Geldvermehrung.

Internet: www.nordstaedter-kirchengemeinde.de

epd lnb mil mir/13.12.2009
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