Käßmann kritisiert Benachteiligungen im deutschen Bildungssystem

Nachricht 11. Dezember 2009

Hannover (epd). Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, hat die Benachteiligungen von ausländischen und armen Kindern und Jugendlichen im deutschen Bildungssystem kritisiert. "Es besteht ein Zusammenhang zwischen Armut und mangelnder Bildung", sagte Käßmann am Freitag vor 630 Lehrerinnen und Lehrern bei einem "Bildungsforum für Religionslehrer" der hannoverschen Landeskirche in Hannover. Deshalb sei die Bekämpfung von Armut ein zentrales Anliegen der Kirche.

Die hannoversche Landesbischöfin forderte, die frühkindliche Bildung auch deshalb weiter auszubauen, um Kinder aus bildungsfernen Schichten zu unterstützen. Dazu würden zum Beispiel Familienzentren gebraucht, in denen es Sprachförderung für Migranten gebe. "Die hohe Zahl von Bildungsverlierern besonders von Einwandererkindern ist deutlich zu verringern."

Außerdem müsse die Qualität der schulischen Bildung insgesamt verbessert werden. Zu viele Schulabgänger gälten auf dem Arbeitsmarkt als schwer vermittelbar. Viele Schulen seien ein Brennpunkt des multikulturellen und multireligiösen Zusammenlebens. Die Schüler brauchten Hilfen, um notwendige soziale, emotionale und religiöse Kompetenzen entwickeln zu können.

Das System Schule verlange von seinen Lehrkräften einen hohen Einsatz. Es sei besonders schwierig, Schüler aus sozial schwachen Familien zu unterrichten: "Sie bräuchten sehr viel mehr, insbesondere individuelle Förderung, aber auch menschliche Zuwendung." Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, müsse auf die Arbeitsbedingungen in den Schulen geachtet werden, sagte Käßmann zu den Lehrern: "Dazu müssen Belastung und Entlastung in einem guten Verhältnis stehen, muss der Beruf von Ihnen selbst dauerhaft bejaht und gewollt sein."

Lehrer hätten eine ungeheuer große Verantwortung, sagte die Bischöfin weiter: "Und so liegt mir an einer klaren Wertschätzung unserer Gesellschaft dafür." Bildung lebe von Hoffnungen und Visionen, um neue Aufbrüche in die Zukunft zu ermöglichen. "Versuchen wir aus unseren Schulen das Beste zu machen. Lassen wir kein Kind verloren gehen, sondern ringen wir darum, jedes so gut wie möglich zu fördern."

epd lnb mil mir/10.12.2009
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