Knapp 100 Bundeswehr-Gegner protestieren in Hannover gegen Adventskonzert in Kirche

Nachricht 08. Dezember 2009

Hannover (epd). Knapp 100 Bundeswehr-Gegner haben am Dienstagabend in Hannover gegen ein Adventskonzert der 1. Panzerdivision in der Neustädter Hof- und Stadtkirche protestiert. In Sichtweite der Kirche lärmten sie mit Trillerpfeifen und Trommeln und skandierten Parolen wie "Schande, Schande, Mörderbande" oder "Blut an Euren Händen". Die Polizei hatte den Platz vor der Kirche weiträumig abgesperrt und kontrollierte die Eingänge.

Zu den rund 400 Zuhörern des traditionellen Benefizkonzerts in der evangelischen Kirche gehörten vor allem Soldaten und ihre Familien. Das Heeresmusikkorps 1 mit Blechbläsern spielte Adventsmusik aus drei Jahrhunderten. Die Gäste sammelten Spenden für Straßenkinder in Hannover.

Bereits am Sonntagabend hatten Kriegsgegner versucht, die Kirche im Anschluss an einen Gottesdienst zu besetzen. Sie wollten eine Mahnwache halten und gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr protestieren. Die Polizei trug zwölf Teilnehmer zwischen 17 und 40 Jahren aus dem Gebäude. Sie erteilte nach eigenen Angaben Platzverweise und ermittelte wegen Hausfriedensbruch.

Nach Angaben des stellvertretenden Stadtsuperintendenten Thomas Höflich waren die Frauen und Männer trotz intensiver Diskussionen nicht bereit, die Kirche zu verlassen. Deshalb habe der Kirchenvorstand von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht und die Polizei verständigt. "Auf Zwang und Erpressung kann ein Kirchenvorstand nicht eingehen", sagte Höflich.

Zu der Demonstration hatten unter anderem das Friedensbüro Hannover und antimilitaristische Unterstützerkreise aufgerufen. "Armee und Kirche Hand in Hand?! Unsere Antwort Widerstand", hieß es im Internet. Mit dem Adventskonzert solle den Soldatinnen und Soldaten "der Segen für ihr Mordhandwerk gegeben werden". Ihnen solle vermittelt werden, Gott und die Gesellschaft stünden hinter ihnen.

Im vergangenen Jahr hatten rund 40 Bundeswehr-Gegner gegen das Adventskonzert protestiert. Vor zwei Jahren störten Autonome ein Bundeswehr-Konzert in der Marktkirche mit Sprechchören. Polizeibeamte drängten sie aus der Kirche. Das Amtsgericht Hannover sprach vor einem Jahr fünf junge Männer zwischen 18 und 20 Jahren aus Hannover und Springe vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs frei. Ihnen war zur Last gelegt worden, an der Aktion beteiligt gewesen zu sein. Die Schuld konnte den Angeklagten jedoch nicht nachgewiesen werden.

epd lnb mil/mig/8.12.2009
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