Polizei räumt nach Protesten von Kriegsgegnern Kirche in Hannover / Demonstration gegen Adventskonzert der Bundeswehr angekündigt

Nachricht 07. Dezember 2009

Hannover (epd). Nach einer versuchten Besetzung der Neustädter Kirche in Hannover hat die Polizei am Sonntagabend sieben Kriegsgegner aus der Kirche entfernt. Die jungen Leute hatten gegen ein geplantes Adventskonzert der Bundeswehr an diesem Dienstag in der Kirche protestiert, sagte der stellvertretende Stadtsuperintendent Thomas Höflich am Montag dem epd. Trotz intensiver Diskussionen seien die Kriegsgegner nicht bereit gewesen, die Kirche zu verlassen.



Deshalb habe der Kirchenvorstand von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht und die Polizei verständigt. "Auf Zwang und Erpressung kann ein Kirchenvorstand nicht eingehen", sagte Höflich. Die Kriegsgegner wollten nach eigenen Angaben in der Kirche eine Mahnwache halten und gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr protestieren.



Nach Angaben Höflichs protestierten einige Kriegsgegner gegen Ende eines Gottesdienstes mit Landesbischöfin Margot Käßmann. Danach sei ihnen Rederecht eingeräumt worden. Nach dem Orgelnachspiel habe der Kirchenvorstand intensiv mit den jungen Leuten diskutiert. Als sie ankündigten, in der Kirche bleiben zu wollen, seien sie von Polizisten hinausgetragen worden. "Wir können uns nicht für einen politischen Konflikt instrumentalisieren lassen", sagte Höflich: "Das ist nicht der demokratische Stil, den die Kirche pflegt."



Die Kriegsgegner riefen im Internet zu einer Demonstration gegen das "Krieg verherrlichende" Benefizkonzert der 1. Panzerdivision auf. "Armee und Kirche Hand in Hand?! Unsere Antwort Widerstand", hieß es: "Der Schulterschluss von Kirche wird auch weiterhin konsequent angegangen werden." Mit dem Adventskonzert solle den Soldatinnen und Soldaten "der Segen für ihr Mordhandwerk gegeben werden". Ihnen solle vermittelt werden, Gott und die Gesellschaft stünden hinter ihnen.



Bereits im vergangenen Jahr hatten rund 40 Bundeswehr-Gegner in Hannover gegen ein Adventskonzert der 1. Panzerdivision in der Neustädter Hof- und Stadtkirche mit rund 600 Zuhörern protestiert. In Sichtweite der Kirche störten sie mit Trillerpfeifen und skandierten Parolen wie "Schande, schande, Mörderbande" oder "Blut an Euren Händen". Die Polizei hatte den Platz vor der Kirche abgesperrt.



Vor zwei Jahren störten Autonome ein Bundeswehr-Konzert in der Marktkirche mit Sprechchören wie "Soldaten sind Mörder" und entrollten vor dem Altar ein Transparent mit der Aufschrift "Aufrüstung mit Gottes Segen". Polizeibeamte drängten sie aus der Kirche. Das Amtsgericht Hannover sprach vor einem Jahr fünf junge Männer zwischen 18 und 20 Jahren aus Hannover und Springe vom Vorwurf des Hausfriedensbruchs frei. Ihnen war zur Last gelegt worden, an der Aktion beteiligt gewesen zu sein. Die Schuld konnte den Angeklagten jedoch nicht nachgewiesen werden.



epd lnb mig mil/mir/7.12.2009

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