Behindertenrat fordert Gleichberechtigung in Schule und Gesellschaft

Nachricht 03. Dezember 2009

- Verbände mahnen mehr Unterstützung durch Politik an

Berlin/Hannover (epd). Zum Welttag behinderter Menschen am Donnerstag hat der Deutsche Behindertenrat Gleichberechtigung für Behinderte im gesellschaftlichen Leben und in Schulen gefordert. Die neue Bundesregierung müsse rasch mit der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention beginnen, forderte die Sprecherin des Behindertenrats, Hannelore Loskill, am Mittwoch in Berlin. Die Konvention ist im März dieses Jahres in Deutschland in Kraft getreten.



Der Präsident des Sozialverbands Deutschlands (SoVD), Adolf Bauer, wies in Hannover auf die Verpflichtung der Bundesregierung hin, bis 2011 bei den Vereinten Nationen einen Bericht über die Umsetzung der Konvention vorzulegen. Die im Deutschen Behindertenrat zusammengeschlossenen Sozial- und Behindertenverbände behielten es sich vor, den UN einen Schattenbericht zukommen zu lassen, kündigte Bauer an.



Der SoVD-Präsident erneuerte Forderungen nach gemeinsamem Schulunterricht für behinderte und nicht-behinderte Kinder. Nur knapp 16 Prozent der behinderten Kinder besuchten eine reguläre Schule. Mehr als 400.000 behinderte Kinder würden auf Sonderschulen unterrichtet. 77 Prozent von ihnen verließen die Schule ohne Abschluss, berichtete Bauer. Daher seien vor allem die Länder gefordert, für gleiche Bildungschancen von behinderten und nicht-behinderten Kindern zu sorgen, sagte Bauer.



Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte mehr Beschäftigungsmöglichkeiten für Behinderte. Dafür müsse die Beschäftigungspflicht bei Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern von fünf auf sechs Prozent von behinderten Menschen angehoben werden, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Die Arbeitslosenquote von schwer Behinderten lag im vergangenen Jahr mit 14,6 Prozent fast doppelt so hoch wie die allgemeine Arbeitslosigkeit.



Die Bundesagentur für Arbeit (BA) wies darauf hin, dass sich unter Behinderten eine große Fachkräftereserve verberge. Häufig begegneten behinderten Menschen aber Vorurteilen und Berührungsängsten auf dem Arbeitsmarkt. Dennoch gebe es in der Arbeitsmarktpolitik eine Trendwende zu mehr Teilhabe behinderter Menschen, sagte BA-Vorstand Heinrich Alt.



Internet: www.deutscher-behindertenrat.de

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