Streit über Babykörbchen geht weiter

Nachricht 29. November 2009

Berlin/Hamburg/Hannover (epd). Die Forderung des Deutschen Ethikrates, Babyklappen abzuschaffen, ist bei vielen Politikerinnen auf zum Teil scharfe Kritik gestoßen. Die Empfehlung des Rates sei "rigoros und lebensfern", sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Jedes Kind, das durch eine Babyklappe gerettet oder vor Schaden bewahrt werde, sei ein Argument gegen die Entscheidung des Ethikrates.

Ähnlich äußerte sich Renate Künast, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag: "Das Recht des Kindes auf sein Leben steht über allem anderen." Deshalb sei sie gegen die Abschaffung der Babyklappen. Dagegen nannte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Bundestag, Petra Sitte, die Empfehlung des Ethikrates "mutig". Es werde unterschätzt, welche Bedeutung es für das Heranwachsen eines Kindes hat, Kenntnis über seine Herkunft zu haben.

Die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothea Bär sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", es müsse zunächst geklärt werden, ob Babyklappen überhaupt dazu beitrügen, Kindstötungen zu verhindern. Dazu wolle die Union eine Studie des Familienministeriums abwarten, die derzeit erstellt wird.

Die Koalition werde auf jeden Fall in dieser Legislaturperiode ein Gesetz zur vertraulichen Geburt vorliegen, das es Müttern ermögliche, Kinder unter ärztlicher Begleitung anonym zu gebären, hieß es weiter. Die persönlichen Daten der Mutter sollten dann "für mehrere Jahre" bei einer nichtstaatlichen Stelle hinterlegt werden, so dass die Kinder später ihre Eltern kennenlernen könnten.

Die bayerische Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) sagte dem Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel": "Wir haben hier eine rechtliche Grauzone. Eines ist für mich aber glasklar: Wenn auch nur ein einziges Kinderleben durch eine Babyklappe gerettet wird, dann müssen alle Bedenken zurückstehen." Eine sofortige Schließung der Babyklappen halte sie für falsch.

Durch Babyklappen werden nach Ansicht von Anke Rohde, Professorin für gynäkologische Psychosomatik in Bonn, Kindesaussetzungen nicht verhindert. "Frauen, die ihr Neugeborenes töten, sind aufgrund meiner forensisch-psychiatrischen Erfahrungen nicht identisch mit jenen Frauen, die imstande sind, ihr Kind in einer Babyklappe abzugeben." Sie halte Babyklappen daher für "schädlich", sagte Rohde der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Der Deutsche Ethikrat hatte sich am 26. November mit deutlicher Mehrheit für die Abschaffung von Babyklappen und von Angeboten zu anonymen Geburten ausgesprochen. Sie seien rechtswidrig und ethisch problematisch. Als Alternative schlug das Gremium vor, die bestehenden Beratungsangebote zu verbessern und ein Gesetz zur "vertraulichen Kindesabgabe mit vorübergehend anonymer Meldung" zu beschließen. Dabei wird der Frau zugesichert, dass ihre Daten ein Jahr lang ab Geburt des Kindes nur der Beratungsstelle und nicht den Meldebehörden mitgeteilt werden.

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Margot Käßmann, hatte nach der Entscheidung des Ethikrates erklärt, an Babykörbchen festhalten zu wollen. Babyklappen sind geschützte Wärmebettchen, in die Frauen anonym ihr Neugeborenes legen und zur Adoption freigeben können. Derzeit gibt es bundesweit knapp 80 Babyklappen, die meisten davon in kirchlicher Trägerschaft. Daneben werden in rund 130 Krankenhäusern anonyme Entbindungen angeboten. Dabei gibt die Frau ihre Identität nicht preis.

epd lnb bas mil/29.11.2009