Käßmann warnt vor "Geiz-ist-Geil"-Mentalität

Nachricht 24. November 2009

Bremen (epd). Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, hat vor einer "Geiz-ist-Geil"-Mentalität gewarnt. "Dieses Haben- und Halten-Wollen, diese Gier nach Besitz macht unfrei", kritisierte die hannoversche Landesbischöfin am Montag vor den Gästen des achten Bremer Benefiz-"Bürgermahls". Wer freigiebig sei, lebe glücklicher, sagte die leitende Theologin: "Wer spendet, sorgt für andere Menschen und kommende Generationen."



Käßmann sprach vor Sponsoren und Unterstützern der Bremer "Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe", einer Organisation, die Spenden sammelt, um damit soziale Projekte zu fördern. Käßmann lobte auch das soziale Engagement Ehrenamtlicher. Wer für andere Menschen Geld, Zeit und Kreativität investiere, stehe für eine Kultur gegen den Geiz, "gegen das Raffen, das Starren auf Börsenkurse und Aktienwerte".



Solidarität in der Gesellschaft könne nicht allein durch staatliche Leistungen gesichert werden. "Armutsbekämpfung in unserem Land heißt immer auch Beteiligung, ein selbstverständliches Miteinander der Starken mit den Schwachen", betonte Käßmann. "Da muss sich die alleinerziehende Mutter, die auf Hartz IV angewiesen ist, nicht schämen, sondern sie weiß: die anderen wollen mir beistehen."



Mit dem "Bürgermahl" im historischen Rathaus der Hansestadt ist unter den etwa 200 Gästen eine Tischsammlung verbunden, die nach Angaben der Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe im vergangenen Jahr rund 33.600 Euro für gemeinnützige Projekte einbrachte. In den zurückliegenden Jahren waren auch die Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder sowie Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth zum "Bürgermahl" gekommen.



Bremens ehemaliger Bürgermeister Wilhelm Kaisen (1887-1979) gründete am 1. Oktober 1945 die "Volkshilfe" in der Hansestadt, die heute seinen Namen trägt. Sie ist Dachorganisation für soziale Hilfen im kleinsten Bundesland, der die Arbeiterwohlfahrt, das Deutsche Rote Kreuz, die Caritas, der Verein für Innere Mission, die Jüdische Gemeinde und der Paritätische Wohlfahrtsverband angehören.


epd lnb sel mil / 23.11.2009

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