Ewigkeitssonntag - Was bleibt am Ende des Kirchenjahres?

Nachricht 19. November 2009

Was bleibt vom Ewigkeitssonntag, was bleibt am Ende eines Kirchenjahres? Was bleibt am Totensonntag? Ein bedeutender Unterschied zwischen dem katholischen und dem evangelischen Jahr. Man merkt es schon an der Zählung, dass es dem Ende entgegengeht. Die Sonntage haben die Bezeichnung drittletzter, vorletzter und letzter Sonntag des Kirchenjahres. In evangelischer Tradition liegt die Betonung auf der Eschatologie. Damit ist die Lehre von den letzten Dingen gemeint, also von dem, was "nach dieser jetzigen Welt" erwartet wird, was also das letzte Ziel von allem ist.



König Wilhelm III. von Preußen gab 1816 nach den Freiheitskriegen gegen Napoleon von 1813 die Order aus, an diesem Tag, dem letzten Sonntag vor dem 1. Advent, der Verstorbenen zu denken. Daraus entstand der auch von anderen Landeskirchen übernommene „Totensonntag“. Dieser evangelische Totensonntag löste sich aber von seinem ursprünglichen Anlass und nahm als Ewigkeitssonntag wieder seinen Platz im liturgischen Jahr ein. In der katholischen Kirche hatte es eine vergleichbare Entwicklung nicht gegeben. Erst das II. Vatikanische Konzil brachte eine Änderung. Dieser Sonntag sollte jetzt als Freudenfest gefeiert werden. So setzte man das Christkönigfest an seine Stelle, vor dem Allerheiligenfest also.



Am Ewigkeitssonntag steht in der evangelischen Liturgie das Gleichnis von den zehn Jungfrauen (Matthäusevangelium Kapitel 25, Verse 1-23) im Mittelpunkt. Von den fünf törichten wird berichtet, dass sie zwar Lampen aber kein Öl mitnehmen, während die fünf klugen vorbereitet sind, wenn der Bräutigam kommt. Der Schlusssatz „Seid also wachsam! Denn ihr wisset weder den Tag noch die Stunde“ bezog sich immer auf den eigenen Tod und auf das Leben in der Ewigkeit.



Es ist eine weitverbreitete Sitte, im Gottesdienst am Ewigkeitssonntag die Namen der im letzten Jahr Verstorbenen zu verlesen. In einigen Gemeinden werden dazu die Namen mit Geburts- und Sterbedatum in das „Buch des Lebens“ eingetragen. In anderen finden am „Gedenktag der Entschlafenen“, wie der Totensonntag oder Ewigkeitssonntag auch genannt wird, Andachten auf dem Friedhof statt. Dabei sind oft Posaunenchöre beteiligt. Das ist von symbolischer Bedeutung. Denn der durchdringende Schall der Posaune gilt jeher als Bild für den Weckruf am Jüngsten Tag.






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An dem das Kirchenjahr abschließenden Toten- oder Ewigkeitssonntag gedenken evangelische Christen ihrer verstorbenen Angehörigen, indem sie deren Gräber mit Gestecken oder Tannengrün schmücken. In den Gottesdiensten dieses Tages steht die Botschaft, dass auch der Tod den Menschen nicht von der Liebe Gottes zu scheiden vermag, im Mittelpunkt.



In vielen Kirchengemeinden werden die Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres verlesen und fürbittend in das Gebet der Gemeinde aufgenommen. Obwohl der Ewigkeitssonntag schon in der Reformationszeit begangen wurde (Brandenburger Kirchenordnung von 1540), ist seine jetzige Tradition noch nicht so alt. Im Jahre 1816 ordnete der preußische König Friedrich Wilhelm III. an, den letzten Sonntag im Kirchenjahr als Feiertag zum Gedenken der Toten zu begehen. Im Laufe der Zeit schlossen sich die nicht-preußischen Landeskirchen dieser Regelung an.



(Entnommen aus „1x1 des Kirchenjahres“ von Jörg Buchna)




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Mit dem Ewigkeits- oder Totensonntag (22. November) endet das Kirchenjahr. Neben dem Andenken an die Gestorbenen wird in vielen Gottesdiensten zu einem bewussteren Umgang mit der Lebenszeit ermutigt. Wem es gelingt, Abschied und Tod im Alltag zu bewältigen, bekomme auch sein Leben besser in den Griff, heißt es bereits in christlichen Texten zur Lebenshilfe aus dem Mittelalter. Vergänglichkeit wird so als Gewinn und nicht als Verlust erfahren.



Die Religionen der Welt antworten auf die Frage nach dem Tod höchst unterschiedlich. Im Apostolischen Glaubensbekenntnis, einem der ältesten christlichen Glaubenstexte, bekennen Christen ihren Glauben an "die Auferstehung der Toten und das ewige Leben". Moderne Theologen warnen zugleich vor einer Verharmlosung der Radikalität des Todes durch Spekulationen über ein Weiterleben. Es stehe allein fest, dass die "Geschichte Gottes" mit dem Menschen auch nach seinem Tod weitergehen wird, bis seine Seele Ruhe findet.



Der Gedenktag am Sonntag geht auf eine Anregung aus der Reformationszeit zurück. Er stellt eine evangelische Alternative zum katholischen Allerseelentag dar. Der Ewigkeitssonntag wird erstmals Mitte des 16. Jahrhunderts in einer Kirchenordnung erwähnt. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. führte ihn im 19. Jahrhundert als "Feiertag zum Gedächtnis der Entschlafenen" ein.



epd lnb bas mil / 19.11.2009

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