Landgericht Verden weist Klage gegen Kirchenmusik ab

Nachricht 18. November 2009

Verden (epd). Das Landgericht im niedersächsischen Verden hat am Mittwoch in einem Zivilprozess gegen die Kirchenmusik im örtlichen Dom die Klage abgewiesen. Eine Nachbarin wollte mit dem Prozess erreichen, dass keine Töne mehr nach außen dringen, weil sie die Orgel- und Chormusik als penetrant und deprimierend empfindet. Die Musik bleibe in ihrer Lautstärke unter den Grenzwerten und falle überdies unter die verfassungsrechtlich zugesicherte Religionsfreiheit, begründete der Vorsitzende Richter Stefan Koch das Urteil. Sie könne objektiv nicht unterbunden werden (AZ: 7 O 162/09).



Bei ihrer Entscheidung berücksichtigte die Zivilkammer auch, dass die Klägerin bereits 1972 in die direkte Nachbarschaft des Doms gezogen war und davon ausgehen musste, dass Kirchenmusik dort "ortsüblich" ist. Der Dom sei ein kulturelles und religiöses Zentrum, sagte Koch. Auch wenn das Üben der Tonleiter auf einer Orgel "nicht die reine Freude" sei, so könne objektiv doch nicht von einer durch und durch deprimierenden Musik gesprochen werden. "Es sind sämtliche Klangfarben vorhanden."



Der Konflikt schwelt bereits seit 2003. Ein erster Gütetermin im Oktober war an der Klägerin gescheitert. Damals hatte Richter Koch der pensionierten Lehrerin angeboten, sie möge sich mit der Domgemeinde auf eine Mittagsruhe zwischen 13 Uhr und 15 Uhr einigen. Musik nach 22 Uhr solle es nur in Ausnahmefällen und dann in leiser Tonart geben. Die Klägerin lies sich auf den Vorschlag nicht ein.



Dom-Kirchenmusikdirektor Tillmann Benfer sagte, das Urteil sei absehbar gewesen. Trotzdem sei er nun erleichtert. Die Klägerin prüft nach Angaben ihres Rechtsanwaltes Gero Landzettel "ernsthaft" eine Berufung, die dann vor dem Oberlandesgericht im niedersächsischen Celle verhandelt werden müsste. Seine Mandantin sei nach wie vor davon überzeugt, dass ihr Anliegen berechtigt sei, sagte Landzettel dem epd. Die Sprecherin des Verdener Landgerichtes, Katharina Krützfeldt, ergänzte, das jetzt gesprochene Urteil sei kein Präzedenzfall.



epd lnb sel mir / 18.11.2009

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