Sozialministerin und Landessuperintendentin warnen vor Leistungsdenken

Nachricht 18. November 2009

Hannover (epd). Niedersachsens Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) hat in einem Gottesdienst in Hannover zum Buß- und Bettag am Mittwoch dazu aufgerufen, sich für die vermeintlich Schwachen in der Gesellschaft zu engagieren. Es sei wichtig, die Gaben und Möglichkeiten jedes Einzelnen zu achten, sagte sie laut Redemanuskript in einer Dialogpredigt mit der hannoverschen Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann.



Der Gottesdienst in der Neustädter Hof- und Stadtkirche Hannover stand unter Schirmherrschaft des niedersächsischen Landtagspräsidenten Hermann Dinkla. Die Feier, an der auch der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Landtag, Stefan Wenzel, mitwirkte, richtete sich besonders an die Landtagsabgeordneten sowie Mitarbeiter aus Behörden und Ämtern.



Ross-Luttmann warnte vor einem Denken, das allein auf Leistung fixiert ist. Die Suche nach Perfektion, Superstars und Topmodels dürfe das Leben nicht bestimmen. Wer heute noch "Ertrag" bringe, könne morgen bereits auf die Fürsorge der Gesellschaft angewiesen sein. Als positive Entwicklungen nannte sie ehrenamtliches Engagement, Frühförderung für Kinder und das "Budget für Arbeit", das behinderten Menschen eine Integration auf dem Arbeitsmarkt ermögliche.



Spieckermann sagte, das Leistungsprinzip gelte ungebrochen. Doch sei das Erschrecken groß, wenn Menschen am Leistungszwang scheiterten. Wichtig sei es, zur eigenen Schwäche und Schuld stehen zu können, nur dann könnten Menschen auch andere annehmen. Der Buß- und Bettag sei für evangelische Christen ein Tag der Besinnung. Versagen und Schuld sowie Versäumnisse und Fehlentscheidungen würden vor Gott zur Sprache gebracht. Durch diesen Akt der Befreiung soll zugleich Trost und Hoffnung vermittelt werden.



Der Feiertag wurde vor mehr als zehn Jahren zum politischen Zankapfel: Der protestantische Buß- und Bettag, erstmals 1532 im mittelalterlichen Straßburg nachgewiesen, wurde 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung in allen
Bundesländern außer in Sachsen als gesetzlicher Feiertag ersatzlos gestrichen. Der Bußtag hat seinen festen Platz im kirchlichen Festkalender jedoch nicht verloren. Viele Gemeinden laden meist am frühen Abend zu Gottesdiensten ein, um so auch Berufstätigen die Teilnahme zu ermöglichen.



epd lnb mir mil / 18.11.2009


Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen