Diakonie und Caritas bieten Gruppentherapie für Online-Süchtige

Nachricht 17. November 2009

Georgsmarienhütte/Kr. Osnabrück (epd). Die ökumenische Beratungsstelle von Diakonie und Caritas in der Region Osnabrück bietet als erste in Niedersachsen eine Gruppentherapie für Online-Süchtige an. Die Gruppentherapie sei eine notwendige Ergänzung der Einzelgespräche, weil Internet-Junkies ihre soziale Kontaktfähigkeit neu lernen müssten, sagte Klaus Polack, Leiter der Diakonie-Suchtberatungsstelle Georgsmarienhütte, am Montag. Sie lebten, isoliert von Familie, Freunden und Beruf, nur noch in der künstlichen Welt von Internet und Computerspiel.



Studien belegten, dass es mittlerweile etwa zwei Millionen Online-Süchtige in Deutschland gebe. Ihre Zahl werde vermutlich in den kommenden Jahren noch ansteigen, weil die immer kleiner werdenden Computer überall einsetzbar seien, sagte Diakonie-Suchtberater Rainer Wonke. Sie säßen mehr als 35 Stunden pro Woche vor dem PC, um zu spielen, zu surfen oder zu chatten. Deutliche Symptome seien Verwahrlosung, Entzugserscheinungen und Gedanken, die nur um den Computer kreisten. Die körperlichen Folgen könnten bis zur Rückentwicklung der Sprache reichen.


Bisher gebe es für diese neue Form der Suchterkrankung, die vor allem seit der Einführung von Flatrates deutlich zugenommen habe, kaum Behandlungskonzepte, betonte Polack. Deshalb habe die Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover als ein federführender Kostenträger von Suchttherapien ihre Unterstützung für die Entwicklung des neuen Konzeptes zugesagt.


In der Gruppentherapie sollten die Patienten lernen, sich mit anderen auseinanderzusetzen, Emotionen wahrzunehmen und Problemlösungsstrategien zu entwickeln, sagte Caritas-Suchtberaterin Reinhild Krotzek. Darüber hinaus müssten die Suchtberater auf diesem neuen Gebiet selbst noch Erfahrungen sammeln, die in die Behandlung einfließen sollen. Erschwerend komme hinzu, dass es bei dieser Form der Sucht nicht um eine Abstinenz gehen könne. Denn Computer seien in Beruf und Gesellschaft allgegenwärtig.


Junge Männer aus allen Schichten und Berufsgruppen seien die größte Gruppe unter den Online-Süchtigen, berichtete Krotzek. Aber auch Frauen zwischen 35 und 55 Jahren seien gefährdet. Während Männer überwiegend Spielen wie "World of Warcraft" oder dem Sammeln von pornografischen Fotos verfallen seien, drehe es sich bei Frauen häufiger ums Chatten.





epd lnb mas mig / 10./17.11.2009

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