Russisch Orthodoxe Kirche will wegen Käßmann-Wahl Kontakte zur EKD aussetzen / Verwunderung und großes Unverständnis

Nachricht 12. November 2009

Moskau/Hannover (epd). Die Russische Orthodoxe Kirche will ihre Kontakte zur Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) aussetzen. Hintergrund sei die Wahl Margot Käßmanns zur Ratsvorsitzenden der EKD, berichteten mehrere russische Medien am Donnerstag. Käßmann und das EKD-Kirchenamt reagierten mit Verwunderung auf die Äußerungen von Vertretern des Außenamtes des Moskauer Patriarchats. Die hannoversche Landesbischöfin war Ende Oktober zur Repräsentantin der rund 25 Millionen Protestanten in Deutschland gewählt worden.



"Eine Frau als Bischöfin - das widerspricht den evangelischen Prinzipien", sagte der Sprecher des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, der orthodoxe Geistliche Georgi Sawerschinski, laut der russischen Agentur "Ria Novosti". Deshalb könne es keine Kirchenbeziehungen geben. Voraussichtlich würden neue Kommunikationsformen gefunden.



Nach seinen Worten werden die Kirchen weiterhin als Gesellschaftsorganisationen Kontakt halten. Die für Ende November angesetzten Feiern zur Aufnahme des Dialogs zwischen russisch-orthodoxer Kirche und EKD vor 50 Jahren seien auch das Ende der Gespräche, kündigte der Leiter des kirchlichen Außenamtes, Erzbischof Hilarion, nach einem Bericht der Zeitung "Kommersant" an.



Käßmann sagte, zum Grundverständnis der ökumenischen Bewegung gehöre, dass es trotz des unterschiedlichen Kirchen- und Amtsverständnisses eine Gemeinschaft gebe. Das wisse auch die russisch-orthodoxe Kirche. Dieses Thema sei Gegenstand der Gespräche der vergangenen 50 Jahre gewesen. "Es ist ein Gebot des gegenseitigen Respekts, diese Verschiedenheit auszuhalten und doch zu wissen, was Paulus an die Epheser schreibt: Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe", betonte die Bischöfin.



Der Orthodoxie-Experte des EKD-Kirchenamtes, Johann Schneider, sagte, bezüglich des geistlichen Dienstes von Frauen in der Kirche unterschieden sich die evangelischen, anglikanischen und altkatholischen Kirchen von den orthodoxen. Dieser Unterschied sei bisher kein Hinderungsgrund für fruchtbare zwischenkirchliche Beziehungen gewesen. Als Beispiel verwies Schneider auf die Partnerschaft zwischen der nordelbischen Kirche und der russisch-orthodoxen Metropolie St. Petersburg.



Die Begegnungen zwischen der Hamburger Bischöfin Maria Jepsen und dem Petersburger Metropoliten Wladimir seien immer von geschwisterlicher Offenheit geprägt gewesen. "Die EKD ist sich sicher, dass sich den zum Teil sehr jungen russischen Theologen, die seit letztem Jahr im Moskauer Außenamt tätig sind, der reiche Erfahrunsgsschatz ihrer Kirche im Umgang mit den evangelischen Kirchen erschließen wird", erklärte Oberkirchenrat Schneider.



Bereits Anfang November hatten orthodoxe Kirchenrepräsentanten angedeutet, dass Käßmanns Wahl die zwischenkirchlichen Beziehungen belasten könnte. Die Wahl von Käßmann zum Oberhaupt der EKD sei zweifellos eine innere Angelegenheit, sagte Mönchpriester Philipp, Vizechef der auswärtigen Abteilung des Moskauer Patriarchats, der Agentur "RIA Novosti". Er fügte hinzu: "Da es aber um die Geschicke des Christentums in Europa geht und da die deutsche evangelische Kirche zu den größten gehört, zeugt die Wahl einer Frau zum Oberhaupt dieser Kirche von einem weiteren Sieg der liberalen Strömung im Luthertum." Die Wahl lasse ernsthaft über die Zukunft der Beziehungen zwischen der russisch-orthodoxen Kirche und der EKD nachdenken.



Auf Einladung der EKD hatte erstmals im Herbst 1959 eine hochrangige Delegation des Moskauer Patriarchats Landeskirchen in der Bundesrepublik besucht. Seither gab es regelmäßige Dialogtreffen.




epd lnb bas mil/12.11.2009

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EKD äußert Verwunderung und großes Unverständnis



Die Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischöfin Margot Käßmann und Bischof Martin Schindehütte, Leiter der Auslandsabteilung der EKD, haben in einem gemeinsamen Brief an den Patriarchen der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK), Kirill I., zu Äußerungen von Vertretern des Außenamtes der ROK Stellung genommen. „Mit Verwunderung und großem Unverständnis“, so heißt es in dem Schreiben, nehme man zur Kenntnis, dass „einige Vertreter des Außenamtes der ROK“ die Wahlen der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland in Ulm in „unangemessener Weise“ kommentiert haben.


Die Ratsvorsitzende und Bischof Schindehütte stellen dazu fest, dass die unterschiedlichen Auffassungen „bezüglich des geistlichen Dienstes von Frauen in der Kirche Jesu Christi“ bisher „kein Hinderungsgrund für fruchtbare zwischenkirchliche Beziehungen auf bilateraler und multilateraler Ebene“ gewesen seien. Es sei vielmehr „ein christliches Gebot des gegenseitigen Respekts im geschwisterlichen Umgang, Unterschiede im Leben und Glauben unserer Kirchen auszuhalten und um den gemeinsamen Grund zu wissen, wie der Apostel Paulus an die Epheser schreibt: „,Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe‘“, heißt es in dem Brief weiter.


Die „kürzlich eingetretene Entwicklung“ hingegen bedaure die EKD sehr. Das für den 30. November in Berlin geplante Treffen anlässlich der Feiern zum 50-jährigen Jubiläum des Dialoges zwischen EKD und ROK werde leider aufgrund der Absage von Erzbischof Hilarion nicht stattfinden können. Von Seiten der EKD aber, so das Schreiben weiter, sei man an der Fortsetzung des „wichtigen theologischen Dialogs über christliche Zentralfragen“ interessiert und zuversichtlich, dass dieser Dialog in Zukunft weitergeführt werde.




Freitag, 13. November 2009

Pressestelle der EKD

Reinhard Mawick