Tourismusforscher: "Urlaub ist Suche nach dem Paradies"

Nachricht 05. November 2009

Falkenburg/Kr. Oldenburg (epd). Urlauber sind nach Ansicht des Wilhelmshavener Tourismusforschers, Professor Enno Schmoll, stets auf der Suche nach dem Paradies. "Sie suchen die heile Welt und die eigene ewige Jugend, ohne sich dessen bewusst zu sein", sagte der Wirtschaftswissenschaftler am Mittwochabend in Falkenburg bei Oldenburg anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Kurseelsorge in der hannoverschen Landeskirche.



Befragungen nach den Urlaubswünschen von Touristen ergäben meist stereotype Antworten, wie "Erholung, Entspannung, gesunde Bräune und die Sehnsucht nach einer friedvollen Gemeinschaft", sagte Schmoll. "Dies ist die Suche nach einem makellosen Leben und nach etwas Mythischem." Viele Menschen hätten in der Natur ein tiefes religiöses Empfinden. Die Kirchen müssten an den Urlaubsorten mehr Angebote schaffen, die auf diese Sehnsüchte eingingen.



Der Regionalbischof des evangelisch-lutherischen Sprengels Ostfriesland, Detlef Klahr, wandte sich gegen "esoterisch mystische Wellness-Angebote". Stattdessen müsse die Kirche noch offensiver und einladender auf die Urlauber zugehen. "Wir haben eine klare Botschaft, die wir als Kirche zu verkünden haben. Da sind wir schon ziemlich gut, können aber noch besser werden", sagte der Theologe.



Der Norderneyer Kurdirektor und Aufsichtsratsvorsitzende des Tourismusverbandes "Die Nordsee GmbH", Wilhelm Loth, forderte die Kirchen auf, sich vor allem auf die Urlauberseelsorge zu konzentrieren. "Die Leute erwarten von der Kirche kein Bungeejumping vom Kirchturm, aber Menschen, die sie wahrnehmen und ihnen zuhören." Besondere Werbung für die Kirchen am Urlaubsort lehnte er ab. "Das Produkt Kirchen muss so gut sein, dass die Mundpropaganda reicht."



Seiner Erfahrung nach kämen viele Urlauber auf die Insel, um das loszuwerden, was sie im Alltag belastet, sagte der bekennende Katholik Loth. Der Urlauberseelsorge komme darum eine besondere Verantwortung zu, die niemand sonst übernehmen könnte.



epd lnb jön mil / 5.11.2009

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