EKD rettet Emder Johannes-a-Lasco-Bibliothek - Rund sechs Millionen Euro sollen bereitgestellt werden

Nachricht 24. September 2009

Emden/Hannover (epd). Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will die derzeit geschlossene Emder Johannes-a-Lasco-Bibliothek retten. Dafür wolle sie 4,5 Millionen Euro investieren, bestätigte der Generalsekretär des Reformierten Bundes mit Sitz in Hannover, Jörg Schmidt, am Mittwoch dem epd. Weitere 1,5 Millionen Euro sollen aus den 22 Landeskirchen kommen. Die weltweit bedeutendste Spezialbibliothek des reformierten Protestantismus musste ihre Arbeit zum Jahresbeginn einstellen, weil das Stiftungskapital nahezu aufgebraucht war.



Der Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer, Jann Schmidt, zeigte sich erfreut über die "großen Anstrengungen", die Bibliothek zu erhalten: "Es ist aber jetzt zu früh, schon über einen Zeitpunkt der Wiedereröffnung zu spekulieren." Die finanzielle Hilfe sei an ein bislang noch nicht fertiges Gesamtkonzept geknüpft, die Einrichtung zukunftssicher zu machen. "Ich wünsche mir jedoch, dass wir den wissenschaftlichen und den bibliothekarischen Betrieb zum Jahreswechsel wieder aufnehmen können" sagte Schmidt.



In dem Konzept wird Jann Schmidt zufolge die Zusammensetzung des Kuratoriums, des Vorstandes und der Stiftungsaufsicht sowie die künftige Personalausstattung geregelt. Es müsse verhindert werden, dass erneut Stiftungskapital verbraucht werden könne. Wann das Geld der EKD fließen soll, stehe noch nicht fest. Der Reformierte Bund werde sich mit zusätzlichen 200.000 Euro beteiligen. Die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche hatte bereits Anfang März beschlossen, eine Million Euro zur Rettung der Bibliothek zu geben.



Unter der Leitung des Bibliotheksdirektors und damaligen alleinigen Stiftungsvorstandes Walter Schulz war in den vergangenen Jahren das Stiftungskapital der Bibliothek von rund 8,6 Millionen auf 1,6 Millionen Euro geschrumpft. Schulz erhielt daraufhin im Herbst 2008 die Kündigung. Ende März dieses Jahres erhob die Staatsanwaltschaft Aurich Anklage gegen ihn wegen Untreue in zwölf Fällen. Sie wirft ihm vor, entgegen der Stiftungssatzung Ankäufe von insgesamt 2,6 Millionen Euro für die Bibliothek getätigt zu haben.



Obwohl ihm bekannt gewesen sei, dass es sich dabei um Kosten für den laufenden Betrieb handelte, habe er dafür Gelder aus dem festen Stiftungskapital entnommen. Weiter habe er unzulässige Transaktionen zwischen der Bibliotheksstiftung und einer weiteren, von Schulz mitbegründeten Stiftung vorgenommen.



Daraufhin verbot das Kuratorium der Stiftung, neue Bücher anzuschaffen, bis das verlorene Kapital wieder aufgefüllt sei, sagte der Vizepräsident und Chefjurist der reformierten Kirche, Johann Weusmann. Trotzdem habe Schulz in den folgenden Jahren für mehr als eine Million Euro erneut Bücher und Kunstgegenstände gekauft. Trotz gegenteiliger Beteuerungen der Bibliotheksleitung seien zur Deckung der laufenden Kosten regelmäßig größere Summen dem Stiftungskapital entnommen worden.



Die Bibliothek wurde laut Weusmann 1995 mit einem Stiftungskapital von rund 8,6 Millionen Euro ausgestattet. Der laufende Betrieb und das Personal sollten durch die Zinserträge finanziert werden. Bei einer realistischen Zinserwartung von sechs Prozent wären Erträge von etwa 500.000 Euro pro Jahr möglich gewesen. Schulz habe jedoch mit elf Prozent gerechnet. Um diese Summe zu erzielen, habe er risikoreiche Geschäfte abgeschlossen und dabei mindestens 3,5 Millionen Euro verloren.



Im August 2008 habe Schulz einen Wirtschaftsplan vorgelegt, demzufolge das Stiftungskapital auf nur noch 2,6 Millionen Euro abgeschmolzen war, sagte der Vizepräsident. Für die Zukunft rechnete er mit einem Verlust von mindestens 100.000 Euro pro Jahr. Danach wäre im ungünstigsten Fall das gesamte Kapital nach vier Jahren aufgebraucht gewesen.



Wegen des Verlustes habe der von der Landeskirche eingesetzte kommissarische Leiter Wilhelm Neef allen Bibliothekaren kündigen müssen, sagte Weusmann. Von den Zinsen des jetzt noch vorhandenen Kapitals könnten gerade noch die Gehälter für die Sekretärin, den Hausmeister und zwei Putzkräfte gezahlt werden.



Internet: www.jalb.de , www.reformiert.de





epd lnb jön mig / 23.9.2009

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