Katholischer Bischof Bode sieht in Luthers Thesen "positive Herausforderung"

Nachricht 30. August 2009

Osnabrück (epd). Der Osnabrücker katholische Bischof Franz-Josef Bode sieht im Reformator Martin Luther eine "positive Herausforderung" für die beiden großen christlichen Kirchen. "Es ist schon faszinierend, wie radikal er Gott in den Mittelpunkt gestellt hat", sagte Bode am Sonntag im epd-Gespräch. Er habe damals zurecht Versäumnisse in der Kirche angeprangert und an die Wurzeln des Glaubens erinnert. Bode wird am 6. September erstmals in einer evangelischen Kirche über Luther predigen.



Luther sei eine "spannende Persönlichkeit" für beide Kirchen. Er habe 1517 mit der Verbreitung seiner Thesen die Kirche nicht spalten wollen. Dazu sei er später eher von anderen instrumentalisiert worden. Er sei vielmehr der Grundfrage nachgegangen, wie Gott sich den Menschen zuwende, sagte Bode. Diese Frage habe damals die Menschen sehr bewegt. Damit müssten sich beide Kirchen auch heute immer wieder auseinandersetzen: "Das sind die herausfordernden Fragen an uns: Was macht uns aus? Haben wir in der Hinwendung zu Gott und den Menschen etwas versäumt oder überbetont? Erreichen wir die Menschen noch?"



In der Kirche habe es damals Strömungen gegeben, die zu "Missverständnissen" beigetragen hätten. Gnade und Schuldvergebung seien natürlich nicht käuflich, sagte der Bischof. "Die Konzentration auf Christus, auf die Bibel und das authentische Wort - das können wir als heutige katholische Kirche nur unterstreichen."



Vor allem mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil habe die katholische Kirche Luthers Denken und insbesondere dessen Hochschätzung des Wortes neu verstanden und aufgegriffen. Sie habe erstmals akzeptiert, dass es im Glauben der Christen ein Miteinander verschiedener Ausprägungen geben könne. Der 50. Jahrestag des Konzils falle im Jahr 2015 in die Dekade, die auf das Gedenken "500 Jahre Reformation" im Jahr 2017 hinführe, sagte Bode. Er werde sich in der Bischofskonferenz dafür einsetzen, dass die ökumenischen Aspekte des Konzils herausgestrichen würden.



Allerdings gebe es nach wie vor auch Trennendes zwischen der katholischen Kirche und Luther. Der Reformator habe ein anderes Verständnis von Kirche, vom Priesteramt und von den Sakramenten entwickelt als Reaktion auf sein Erleben von Kirche. Die katholische Kirche würde solche "Provokationen heute besser verstehen und anders angehen", betonte der Bischof.



Im Rahmen der Gottesdienstreihe "Der andere Gottesdienst" wird Bode nach Angaben der Südstadtkirchengemeinde gemeinsam mit Pastor Martin Wolter den Gottesdienst um 18 Uhr in der Lutherkirche in Osnabrück gestalten. Die Gemeinde lade jeweils am ersten Sonntag im Monat zu einem Gottesdienst mit ungewöhnlichen Formen ein. Bis zum Jahresende werde es in dieser Reihe unter anderem noch einen stummen Gottesdienst und einen Gottesdienst wie vor 100 Jahren geben. Er weise auf den bevorstehenden 100. Geburtstag der Lutherkirche im November hin.



epd lnb mas mil / 30.8.2009

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