Niedersächsische Straßenzeitung "Asphalt" feiert 15-jähriges Bestehen

Nachricht 29. August 2009

Hannover (epd). Mit einem Straßenfest in Hannover hat das niedersächsische Straßenmagazin "Asphalt" am Freitag sein 15-jähriges Bestehen gefeiert. Das Selbsthilfe-Projekt wurde 1994 von der Diakonie und dem hannoverschen Verein Hiob, der Obdachlose unterstützt, nach einem Hamburger Vorbild ins Leben gerufen. Die Zeitung mit einer Druckauflage von 25.000 Exemplaren ist ausschließlich bei Straßenverkäufern und nicht an Kiosken erhältlich. Heute verkaufen rund 240 obdachlose oder sozial benachteiligte Menschen die Zeitung in 15 Städten und Regionen Niedersachsens. "Asphalt" wird mittlerweile auch in Celle oder Ostfriesland gelesen.



Die Straßenzeitung löse Emotionen aus, sagte der frühere hannoversche Diakoniepastor Walter Lampe als Herausgeber: "Man kann an Asphalt nicht einfach vorbeigehen, man stimmt zu oder ärgert sich. Gleichgültigkeit gibt es nicht, wenn man Asphalt liest." Das Magazin bringe unterschiedliche Lebenswelten zusammen. Menschen, die sich sonst wenig zu sagen hätten, kämen miteinander ins Gespräch.



"Die Hannoveraner können jetzt nicht mehr sagen: Armut gibt es nicht", betonte Lampe. Vielfach verschwänden Vorurteile gegen Obdachlose, weil sich Verkäufer und Käufer auf gleicher Augenhöhe begegneten. Zwar habe es auch Enttäuschungen gegeben, wenn Verkäufer wieder in die Drogenszene abrutschten: "Aber die Hoffnungsgeschichten überwiegen."



Die langjährige Redakteurin Renate Schwarzbauer sagte, die Zeitung habe viele soziale Themen in Hannover und Niedersachsen auf die Tagesordnung gebracht. Die Leser erhielten bei "Asphalt" Informationen, die sie sonst nirgends bekämen. Das Projekt wird von 800 regelmäßigen und 4.000 Einzelspendern im Jahr unterstützt und bestreitet mit 22.000 Euro rund die Hälfte seines Etats aus Spenden, erläuterte Geschäftsführerin Almut Maldfeld. 18 Prozent kämen aus Anzeigen, 32 Prozent aus den Verkaufserlösen. 30 Ehrenamtliche und 70 Kooperationspartner unterstützten das Magazin.



Eine Zeitung kostet für die Verkäufer 80 Cent, für 1,60 Euro wird sie weiterverkauft. Sozial benachteiligte Menschen könnten sich so ein Zubrot zu den staatlichen Leistungen verdienen. "Ich bin sehr froh, dass es Asphalt gibt", sagte der arbeitslose Verkäufer Hajo, der inzwischen Frührentner ist und seinen Familiennamen nicht öffentlich machen will: "Sonst hätte ich keine Perspektive und müsste schlimmstenfalls auf die Straße gehen und betteln, was ich noch nie getan habe."



"Asphalt" verfügt nach eigenen Angaben über 28 Autoren und ein Team von professionellen Redakteuren. Das Projekt komme ohne Zuschüsse von Staat und Kirche aus und honoriere seine Autoren nach den üblichen Sätzen. Während Straßenzeitungen in anderen Städten wieder eingestellt wurden, sei Asphalt eine Erfolgsgeschichte und behaupte sich bis heute auf dem Markt. Seit 1997 ist der Verlag als gemeinnützige GmbH organisiert.



epd lnb mig mil / 28.8.2009

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