Finanzkrise: Evangelische Kirchen erwarten Rückgang bei der Kirchensteuer / Hannoversche Landeskirche rechnet mit fünf Prozent weniger Kirchensteuer-Einnahmen

Nachricht 21. August 2009

Hannover (epd). Die evangelischen Kirchen in Niedersachsen und Bremen rechnen aufgrund der Finanzkrise in diesem Jahr mit sinkenden Einnahmen aus der Kirchensteuer. In der hannoverschen Landeskirche, der mit knapp drei Millionen Mitgliedern größten unter ihnen, werde es bis zum Jahresende voraussichtlich fünf Prozent weniger Kirchensteuern geben als im Vorjahr, sagte der Juristische Vizepräsident Rolf Krämer am Freitag dem epd. Krämer reagierte mit Skepsis auf Meldungen, die Finanzkrise sei vorbei: "Zur Euphorie besteht für uns kein Anlass." Die Einnahmen der Kirche hingen davon ab, ob und wie sich die Finanzkrise in der Realwirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar mache.

2008 hatte die hannoversche Landeskirche rund 440 Millionen Euro an Kirchensteuern eingenommen. "Die Lage auf dem Arbeitsmarkt war in diesem Jahr zunächst besser, als viele das prognostiziert hatten", sagte Krämer. Die Kirche habe bisher nur drei Prozent weniger eingenommen als zum entsprechenden Zeitpunkt in 2008. Angesichts der Finanzkrise habe er ein schlechteres Ergebnis befürchtet. Allerdings gebe es Anzeichen dafür, dass im Herbst der Arbeitsmarkt einbrechen könnte. "Das wird Konsequenzen für uns haben." Das Haushaltsdefizit im laufenden Jahr werde voraussichtlich weit über den veranschlagten neun Millionen Euro liegen: "Es wird ein hochrotes Ergebnis werden." Deshalb werde er der Synode, dem Kirchenparlament, im November einen Nachtragshaushalt vorlegen.
Krämer schätzt die Jahreseinnahmen aus Kirchensteuern für 2009 auf insgesamt rund 410 Millionen Euro und für 2010 auf rund 390 Millionen. Das Defizit müsse aus Rücklagen gedeckt werden. Die Zahlen zeigten, dass die Landeskirche ihren 2006 eingeschlagenen Einsparungskurs konsequent fortsetzen müsse, sagte Krämer: "Wir sehen nicht, dass wir ihn weiter verschärfen müssen, können ihn aber auch nicht abmildern. Wir haben keinen Verteilungsspielraum."

Die braunschweigische Landeskirche nahm im ersten Halbjahr 2009 ein halbes Prozent mehr Kirchensteuern ein als im ersten Halbjahr 2008. Diese "leicht positive Tendenz" beschränke sich allerdings auf das erste Quartal. Die Einnahmen im zweiten Quartal seien deutlich eingebrochen. "Wir gehen davon aus, dass sich dieser Negativtrend fortsetzt, so dass wir im gesamten Jahr lediglich mit Kirchensteuer-Einnahmen von 60 Millionen Euro rechnen können", sagte Sprecher Michael Strauß. Im vergangenen Jahr waren es 63 Millionen Euro.

Die oldenburgische Kirche zeigte sich trotz sinkender Kirchensteuer-Einnahmen gelassen. Auch für 2009 habe die Kirche wie im vergangenen Jahr zurückhaltend nur 42,6 Millionen Euro an Kirchensteuern eingeplant, sagte ihr stellvertretender Sprecher Jürgen Schwartz. Im Vorjahr sei diese Marke deutlich übertroffen worden: "Selbst wenn wir am Ende zehn Prozent weniger einnehmen als im Vorjahr, werden wir die Planung überschreiten." Größere Einbrüche bei der Kirchensteuer bis zum Jahresende seien kein Grund zur Sorge. Alle Bereiche der kirchlichen Arbeit seien finanziell abgesichert.

Die Evangelisch-reformierte Kirche rechnet bis zum Jahresende wegen der Wirtschaftskrise mit einem Rückgang der Kirchensteuer um insgesamt neun Prozent. Die Mindereinnahmen durch Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld machten sich erst im zweiten Halbjahr bemerkbar, sagte Kirchensprecher Ulf Preuß. Die bremische Kirche teilte mit, es herrsche keine Alarmstimmung. "Aber wie schon in der Vergangenheit wird vorsichtig gewirtschaftet", sagte Sprecherin Sabine Hatscher.

epd lnb mig/lau/jön/sel mig/21.8.2009

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