20 Bundestagskandidaten wollen Pflegeheime besuchen

Nachricht 14. August 2009

Hannover (epd). Bereits 20 Bundestagskandidaten aus Niedersachsen haben sich bei der Diakonie gemeldet, um in der Altenpflege zu hospitieren oder Heime zu besuchen. Unter dem Motto "Ich mach mich stark für die Pflege" hatten die fünf evangelischen Kirchen in Niedersachsen und ihre Diakonie in der vergangenen Woche eine landesweite Kampagne gestartet, um für bessere gesetzliche und finanzielle Bedingungen in der Pflege zu werben. Die Politiker könnten bei den Besuchen hautnah die Situation in der Pflege erleben und mit Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern ins Gespräch kommen, teilte das Diakonische Werk der hannoverschen Landeskirche am Donnerstag mit.



Unter anderem will der CDU-Kandidat und Landtagsabgeordnete Klaus Krumfuß aus Duingen bei Hildesheim am 14. September ab 7 Uhr morgens in der Frühschicht eines Heimes in Alfeld hospitieren. Fünf Politiker planen einen Einsatz in der Alfelder Sozialstation: Martina Tigges Friedrich (FDP), Jutta Krellmann (Linke), Gabriele Lösekrug-Möller (SPD), Hans Peter Thul (CDU) und Macus Schaper (Grüne). Inzwischen unterstützt auch die katholische Caritas die Pflegekampagne.



Die Kampagne setzt sich vor der Bundestagswahl am 27. September dafür ein, die Pflegesätze in Niedersachsen an das Niveau anderer Bundesländer anzuheben. "Wir wollen eine öffentliche Diskussion über den Umgang mit alten Menschen in unserer Gesellschaft anstoßen", sagte der hannoversche Diakonie-Direktor Christoph Künkel. Während in Niedersachsen die Pflege der Stufe 3 von den Kassen mit täglich 63 Euro vergütet werde, bekämen Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen für die gleiche Arbeit 76 Euro. Nötig seien außerdem weniger Bürokratie und mehr Zeit für die Menschen, sagte Künkel.



Der Caritas-Direktor im Bistum Hildesheim, Hans-Jürgen Marcus, schloss sich den Forderungen an. "Die Entgelte der Kostenträger in der Altenpflege in Niedersachsen sind zu niedrig", sagte er. Es sei ein Punkt erreicht, an dem eine würdige Pflege nicht mehr von der Bereitschaft der Helferinnen und Helfer abhänge, sondern von denjenigen, die in Politik und Gesellschaft Verantwortung trügen, sagte er. Die Caritas war erst vor kurzem in die Schlagzeilen geraten, weil sie fünf finanziell stark angeschlagene Altenheime in und um Hannover an einen evangelischen Träger in Berlin verkauft hatte.



Die Besuche der Bundestagskandidaten sollen durch Filme und Fotos dokumentiert und im Internet bei youtube und twitter sowie auf der Aktionsseite www.stark-fuer-die-pflege.de eingestellt werden. Die Diakonie wünsche sich ein stärkeres Agieren der Politiker, sagte Künkel. Niedersachsen sei bei den Pflegesätzen Schlusslicht unter den westdeutschen Bundesländern. So erhalte ein Betreiber eines Altenheimes in Niedersachsen mit 80 Betten im Monat 12.000 Euro weniger als im Bundesdurchschnitt gezahlt werde.



Die Kampagne will überall in Niedersachsen mit Plakaten, Armbändern und Buttons für die Pflege werben. Die Kosten von 60.000 Euro werden von den Landeskirchen in Braunschweig, Hannover, Oldenburg, Schaumburg-Lippe und der Evangelisch-reformierten Kirche in Leer und ihren Diakonischen Werken getragen.



Internet: www.stark-fuer-die-pflege.de; www.diakonie-hannovers.de



epd lnb mig mir / 13.8.2009

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