VW-Chef: Manager müssen Vorbilder sein - Landesbischöfin kritisiert "Maßlosigkeit" in Finanzkrise

Nachricht 06. August 2009

Loccum/Wolfsburg (epd). Manager müssen nach Meinung von VW-Chef Martin Winterkorn in ihren Unternehmen auch Vorbilder sein. "Mit Macht allein kann ich gar nichts bewegen", sagte Winterkorn am Donnerstag in der Evangelischen Akademie Loccum bei Nienburg. Damit könnten sich Manager bestenfalls eine Zeit lang behaupten. Wichtig sei, dass sie Werte wie Ehrlichkeit, Vertrauen und Transparenz auch vorlebten. "Der oberste muss das so ordnen, dass die anderen Manager das auch leben", sagte der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen-AG: "Das ist eine der wichtigsten Führungsaufgaben."

Winterkorn diskutierte mit der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann über die gesellschaftliche Verantwortung der Wirtschaft. In den vergangenen drei bis vier Jahren habe der altmodisch klingende Begriff des "ehrbaren Kaufmanns" wieder an Bedeutung gewonnen, auch durch die Finanzkrise, sagte er.

Das Verhalten nach bestimmten Regeln spiele in der Wirtschaft wieder eine viel größere Rolle. Zugleich seien Menschen, die etwa in der Industrie arbeiteten, gegenüber den Finanzdienstleistern wieder gefragter. Deshalb stehe die deutsche Wirtschaft mit Konzernen wie VW, Bosch oder Siemens trotz der Finanzkrise relativ gut da.

Die evangelische Bischöfin Käßmann nannte als einen der größten Schäden, den die Finanzkrise neben den wirtschaftlichen Verlusten angerichtet habe, den Vertrauensverlust. "Wie will man ein Land zusammenhalten, in dem es lauter Misstrauen gibt?", fragte sie. In den vergangenen Monaten habe sie mehrfach Einladungen von Banken erhalten, um über die zehn Gebote und über christliche Werte zu referieren.

Es erschüttere die Menschen, dass es in der Finanzwelt offenbar vielfach kein Maß gebe, sagte die Bischöfin. "Die Maßlosigkeit hat dazu geführt, dass das Bankensystem kurz vor dem Zusammenbruch stand." Um wieder Vertrauen zu gewinnen, seien Transparenz und Beteiligung nötig. Zudem müssten die verantwortlichen Personen eine ethische Haltung erkennen lassen. Fehler seien unvermeidlich, könnten aber transparent gemacht werden, indem sie zugegeben würden. Mauschelei dagegen sei schädlich. "Wenn du das Gefühl hast, die Wahrheit musst du aus der Nase herausziehen, dann wächst Misstrauen", sagte Käßmann.

epd lnb mig mil/6.8.2009

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