Mehr als 1.100 Menschen protestieren gegen Neonazis in Bad Nenndorf

Nachricht 01. August 2009

Bad Nenndorf, Kr. Schaumburg (epd). Mehr als 1.100 Menschen haben am Sonnabend in Bad Nenndorf friedlich gegen einen Aufmarsch von rund 600 Rechtsextremisten aus ganz Deutschland protestiert. Insgesamt waren nach Angaben der Polizei mehr als 1.000 Beamte im Einsatz. Die Neonazis hatten zum vierten Mal zu einem «Trauermarsch» zum Wincklerbad aufgerufen. In dem Gebäude, das heute von der Kurverwaltung genutzt wird, befand sich von 1945 bis 1947 ein britisches Militärgefängnis für Nazis. Dort sollen Gefangene auch gefoltert worden sein.



Diese Misshandlungen sind dem DGB zufolge damals umgehend geahndet und von der Öffentlichkeit in Großbritannien verurteilt worden. Die Rechtsradikalen wollen den Ort jetzt zu einer Art Wallfahrtsstätte machen. Im vergangenen Jahr waren sie mit rund 400 Teilnehmern zu dem Gebäude gezogen. Mittlerweile haben sie bis 2030 Märsche zum Wincklerbad angemeldet.



In Bad Nenndorf hatte sich bereits im Vorfeld ein breites Bündnis «Bad Nenndorf ist bunt» aus mehr als 20 lokalen Einrichtungen, Vereinen, Parteien, Institutionen und Kirchen gebildet, um sich dagegen zu wehren, dass der Ort zu einem Sammlungspunkt der rechten Szene wird. Die Schirmherrschaft hatte der Landrat übernommen. Viele Straßen des Kurbades bei Hannover waren mit Luftballons bunt geschmückt, die Demonstranten zogen mit Musik und Trillerpfeifen durch die Kleinstadt.



Der DGB-Regionsvorsitzende Sebastian Wertmüller rief bei der zentralen Kundgebung zu einem schnellen und entschiedenen Handeln auf, wann immer sich Rechtsextremisten versammelten. Wertmüller verlangte eine bessere Aufklärungsarbeit gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus in Niedersachsen: «Das sind wir den Ausländerinnen und Ausländern, den Jüdinnen und Juden, den Andersdenkenden in unserem Land schuldig.»



Bereits am Morgen hatten sich rund 300 Menschen zu einem evangelischen «Gottesdienst für Menschlichkeit und Toleranz» im Kurpark versammelt, an dem sich auch die örtliche Jüdische Gemeinde beteiligte. Pastor Jürgen Schönwitz sagte in seiner Predigt, es gebe kein Recht auf Rassismus und Faschismus, weder vor Gott noch vor den Menschen. Da komme alle Toleranz an ihre Grenzen: «In diesem Ort, in diesem Land, in dieser Welt ist kein Platz für Rechtsextremismus, Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit.»



Rund 80 Gegendemonstranten versammelten sich bereits am frühen Morgen vor dem Wincklerbad. Vier von ihnen hatten sich in einer Betonpyramide verankert, sagte ein Polizeisprecher. Sie hatten sich allerdings nicht, wie die Polizei zunächst vermutete, angekettet, sondern an den Händen gehalten. Bis zum Vormittag sei der Beton aufgebohrt und das Gelände geräumt worden.



1.8.2009

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