Landesbischöfin ruft zu Erinnerung und Versöhnung auf

Nachricht 30. Juli 2009

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat 70 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs dazu aufgerufen, Erinnerungen wachzuhalten und Versöhnung zu suchen. "Es gilt, Schuld zu bekennen und gleichermaßen über erfahrenes Leid sprechen zu können", schreibt Käßmann in der August-Ausgabe der evangelischen Monatszeitschrift "zeitzeichen". Am 1. September 1939 war die deutsche Wehrmacht ohne vorherige Kriegserklärung nach Polen einmarschiert.



Auch die Kirche habe im Zweiten Weltkrieg versagt, weil sie Anhänger des jüdischen Glaubens nicht geschützt habe, so die Bischöfin. Das Land und die Kirche seien damals im schlimmsten Maße in die Irre gegangen. Daran müsse erinnert werden. Wichtig sei es aber auch, deutschen Flüchtlingen die Möglichkeit zu geben, über ihr Leid zu berichten, ohne dass diese unter den Verdacht des Revanchismus gerieten.


Die Landesbischöfin berichtet davon, wie sie mit ihrer Mutter deren Elternhaus im heutigen Polen besucht und die dort lebende polnische Familie sie eingeladen habe. "Meine Mutter fand den alten Kachelofen wieder, und die polnische Familie freute sich mit an der Freude meiner Mutter." In Erinnerung und Gedächtnis liege die einzige Form, Versöhnung zu ermöglichen: "Versöhnung ist wohl immer ein Geschenk Gottes."


Die Herausforderung, Frieden zu stiften, sei aktueller denn je, so Käßmann. Waffen seien in ihrer Grausamkeit effizienter geworden. Konflikte verliefen schleichend und entwickelten sich schließlich zu nervenzehrenden Kriegen. Dies zeigten Bürger- und Bandenkriege im Sudan und Kongo sowie der Krieg in Afghanistan, der nicht beim Namen genannt werde.





epd lnb now mir / 30.7.2009

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