Experten: Schweinegrippe kein Grund für Verzicht aufs Abendmahl

Nachricht 28. Juli 2009

Brandy: „Generelle Änderung der Abendmahlspraxis nicht notwendig“



Bei manchen Gottesdienstteilnehmenden gibt es Sorgen im Blick auf die Ausbreitung der neuen Grippe. Diese Sorgen nehmen wir ernst. Wir beobachten die Situation aufmerk-sam, raten angesichts der Lage aber zur Gelassenheit.



Es besteht keine Veranlassung, öffentliche Veranstaltungen wie Gottesdienste oder ande-re Gemeindeveranstaltungen zu meiden oder gar abzusagen, solange nicht die staatli-chen Gesundheitsbehörden solche Schritte für nötig erklären.



Keinerlei Veranlassung gibt es auch, auf Abendmahlsfeiern zu verzichten. Nach Rückfrage des Landeskirchenamtes beim Robert-Koch-Institut in Berlin halten wir auch eine gene-relle Änderung der Abendmahlspraxis, auch im Blick auf den Gemeinschaftskelch, für nicht notwendig. Die Gefahr der Übertragung der Infektion durch Speichel sei eher gering und trete hinter anderen Übertragungsrisiken zurück. Gleichwohl sollten unnötige Risiken vermieden werden.



Wer daher nicht aus dem Gemeinschaftskelche trinken möchte, kann selbstverständlich auf das Eintauchen der Oblate (intinctio) ausweichen. Die Ansteckungsgefahr ist nach Auskunft des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes dann „unbedeutend“. Die Pas-torinnen und Pastoren können schon bei der Einladung zum Abendmahl auf diese Mög-lichkeit hinweisen.



Oberlandeskirchenrat Dr. Hans Christian Brandy

28. Juli 2009




+++++



Hannover (epd). Experten aus Kirche und Gesundheitswesen haben dazu aufgerufen, nicht wegen der Schweinegrippe auf das Abendmahl im Gottesdienst zu verzichten. "Wenn die Oblate oder das Brot lediglich in den Wein eingetunkt werden, ist die Ansteckungsgefahr unbedeutend", sagte der Präsident des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz, am Dienstag dem epd. Er empfehle zwar, nicht aus dem Kelch zu trinken, doch sei ein Verzicht auf das Abendmahl seiner Ansicht nach "nicht angemessen". Die Gefahr, durch bloßes Anniesen angesteckt zu werden, sei viel höher.



Derzeit sind Pulz zufolge in Niedersachsen rund 900 Fälle registriert. Die meisten Erkrankten hätten sich im Spanien-Urlaub infiziert. Nur weniger als ein Achtel aller Patienten hätten sich in Niedersachsen angesteckt.



Auch der Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Hermann Barth, riet zur Ruhe. "Wir nehmen das beklommene Gefühl von Gottesdienstbesuchern zur Kenntnis, die sich vor einer Ansteckung fürchten", sagte der Theologe. Er empfehle den Pastorinnen und Pastoren in den Gemeinden, schon bei der Einladung zum Abendmahl darauf hinzuweisen, dass eine "intinctio", also das Eintauchen der Oblate in den Wein oder Traubensaft, möglich sei.



Das Kirchenamt verfolge aufmerksam die Informationen aus der Politik und dem Gesundheitswesen zu der Epidemie, betonte Barth. Sollte die Zahl der Erkrankten besorgniserregende steigen, werde es eine schriftliche Empfehlungen an die 22 Landeskirchen in Deutschland geben. Dies sei jedoch nach dem derzeitigen Stand nicht nötig.



epd lnb jön mir / 28.7.2009

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen