Ausstellung zeigt "Kunst und Glaube" Worpsweder Künstler

Nachricht 28. Juli 2009

Worpswede/Kr. Osterholz (epd). Die Worpsweder Kunsthalle zeigt noch bis Sonntag die Sonderausstellung "Seelenland - Kunst und Glaube". In der Schau sind Werke mit religiösen Inhalten alter und gegenwärtiger Worpsweder Künstler zu sehen, sagte Kunsthallen-Chefin Susanna Böhme-Netzel am Montag dem epd. Worpswede wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Heimat bedeutender Künstler des deutschen Impressionismus und Expressionismus. Die Ausstellung ist Teil der 250-Jahr-Feier der evangelischen Zionskirche des Ortes im Teufelsmoor bei Bremen.

Immer wieder spielten religiöse Motive in den Werken der Worpsweder Meister eine wichtige Rolle, sagte Böhme-Netzel. Bei dem Landschaftsmaler Otto Modersohn etwa sei sehr oft in der Ferne der weiße Turm der Zionskirche zu erkennen. Heinrich Vogeler habe in seiner frühen Zeit viele Marienbilder im Jugendstil gezeichnet. Erst nach seinen schlimmen Erfahrungen im Ersten Weltkrieg, an dem Vogler als zeichnender Kriegsberichterstatter teilnahm, habe sich seine Malerei grundlegend verändert.

Besonders eindrücklich seien acht Bronze-Skulpturen von Waldemar Otto. Sie stehen auf besonderen Stelen im Ausstellungssaal und zeigen die Kreuzwegstationen Jesu, sagte Böhme-Netzel. Der noch lebende Künstler lege großen Wert darauf, dass man seine Skulpturen von allen Seiten betrachten kann. So könne der Betrachter beispielsweise den Peinigern Jesu ins Gesicht schauen.

Eines der bekanntesten Worpsweder Bilder überhaupt stammt Böhme-Netzel zufolge von dem Maler Fritz Mackensen (1866-1953) und trägt den Titel: "Gottesdienst im Freien". Das 2,85 Meter mal 4,30 Meter monumentale Bild brachte für die junge Worpsweder Künstlerkolonie 1895 bei einer Kunstausstellung in München den Durchbruch und machte den Kreis um Mackensen, Vogeler, Paula Modersohn-Becker oder Clara Westhoff international bekannt. Mackensen zeigte auf dem Bild erstmals in der Kunstgeschichte einfache Menschen und nicht bekannte Persönlichkeiten. Für sein damals revolutionäres Bild sei er mit der "Goldenen Medaille" der Ausstellung ausgezeichnet worden.

Die Zionskirche wurde in den Wirren des Siebenjährigen Krieges am 1. April 1759 eingeweiht. Die Kirche geht auf Pläne des hannoverschen Moorkolonisators Jürgen Christian Findorff (1720-1792) zurück, der sie zwischen 1756 und 1759 bauen ließ. Der Stader evangelische Generalsuperintendent Johann Hinrich Pratje notierte zu den Beweggründen, die neuen Siedler im Teufelsmoor und ihre Kinder "sollten nicht ganz verwildern".

Internet: www.kirchenkreis-osterholz.de, www.worpswede.de, www.worpsweder-kunsthalle.de



epd-lnb jön mil / 27.7.2009

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