Hannoverscher Pastor würdigt Mut zum Widerstand in der Kirche

Nachricht 19. Juli 2009

Hannover (epd). Der hannoversche Pastor Christof Vetter hat an den Mut zum Widerstand in der evangelischen Kirche erinnert. "Leben heißt, manchmal auch zu widerstehen - auch innerhalb der Kirche", sagte Vetter am Sonntag in der Marktkirche in Hannover. In seiner Predigt erinnerte er an die Barmer Theologische Erklärung, die vor 75 Jahren verabschiedet wurde und als zentrales Dokument des Kirchenkampfes in der NS-Zeit gilt. Darin grenzten sich evangelische Christen von der Weltanschauung der Nationalsozialisten und von theologischen Irrlehren ab.



Er stelle sich immer wieder die Frage, woher die Menschen 1934 den Mut für ihren Widerstand nahmen, sagte Vetter weiter. Einer der wichtigen Theologen jener Zeit, Martin Niemöller, habe darauf die schlichte Antwort gegeben: "Wir waren keine Helden, nicht einmal Glaubens-Helden, aber wir haben uns oft gefragt: Was würde Jesus dazu sagen?" Niemöller war wegen seiner Kritik am Nationalsozialismus von 1937 bis 1945 in Konzentrationslagern inhaftiert.



Auch wenn die Zeiten nicht vergleichbar seien, müssten sich Protestanten auch heute fragen: "Woher sollen wir den Mut nehmen, unser persönliches, gemeindliches und kirchliches Leben zukunftsweisend und hoffnungsvoll zu gestalten?", sagte Vetter, der auch Geschäftsführer des Lutherischen Verlagshauses in Hannover und des Verbandes Evangelischer Publizistik Niedersachsen-Bremen ist.



Heute gehe es nicht darum, dass der Staat die Christen zur Linientreue zwingen wolle, sondern um Erfahrungen von Mitgliederschwund, Finanznot, Kirchenschließungen, Globalisierung und Arbeitslosigkeit. Für diese Herausforderungen müssten Antworten gefunden werden. Er sei sich sicher, dass Jesus in dieser Situation zu mehr Gelassenheit, sorgfältigem Nachdenken und mutigen Entscheidungen riete, sagte Vetter: "Aber vor allem dazu, fröhlich zu glauben, weil das Entscheidende in Gottes Hand liegt."




epd lnb mil / 9.7.2009

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