Europäische Kirchenkonferenz in Lyon eröffnet / KEK-Vollversammlung beschließt grundlegende Neuorientierung

Nachricht 16. Juli 2009

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Lyon. Die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) hat einen umfassenden Reformprozess ihrer Organisation auf den Weg gebracht. Am Freitag, 17. Juli, beschlossen die Delegierten der 13. KEK-Vollversammlung in Lyon, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die bis Ende 2011 eine grundlegende Überarbeitung der KEK einschließlich ihrer inhaltlichen Ausrichtung, ihrer strategischen Ziele und der zur Erlangung dieser Ziele notwendigen Strukturen erarbeiten soll. Nach einem Konsultationsprozess in den Mitgliedskirchen soll die Vollversammlung im Sommer 2013 - zwei Jahre früher als bislang geplant - über diese Reformen entscheiden und die damit verbundenen Verfassungsänderungen beschließen. Ausgangspunkt dieser Entscheidung war ein Antrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die auf eine zügige und umfassende Reform gedrängt hatte.



Der Auslandsbischof der EKD, Martin Schindehütte, zeigte sich sehr erfreut über das Ergebnis. "Es ist in der Debatte schnell deutlich geworden, dass es einen Konsens über den tiefgreifenden Reformbedarf in der KEK gibt", sagte er in Lyon. "Der Antrag der EKD fand auch bei Anglikanern und Orthodoxen breite Zustimmung." So drängte zum Beispiel Erzbischof Anastasios von Tirana, Oberhaupt der Autokephalen Orthodoxen Kirche von Albanien, in der Aussprache darauf, nicht bis 2015 mit der Entscheidung zu warten. "Ein Schiff, das andauernd umgebaut wird, kann nicht fahren. Und so kann es seine Aufgabe nicht erfüllen. Wir dürfen diese Entscheidungen nicht länger hinauszögern." Metropolit Gennadios von Sassima (Ökumenisches Patriarchat von Konstantinopel) stimmte dem zu: "Wir brauchen einen grundlegenden Umbau der KEK - und wir brauchen ihn bald."



Die KEK habe einen wichtigen Beitrag in der Zeit des Kalten Krieges geleistet, hob Martin Schindehütte hervor. "Sie war eine der wenigen Institutionen, die die Grenzen und Mauern zwischen Ost und West überwinden konnten." Aber angesichts neuer Herausforderungen im zusammenwachsenden Europa seien Veränderungen notwendig: "Wir brauchen klare Verantwortung, klare Prioritäten, eine klare Agenda." Mit der finnischen und der schwedischen Kirche, die einen Alternativvorschlag eingebracht hatten, konnte man sich schließlich auf einen Kompromiss einigen.



Der Vorsitzende des Rates der EKD, Bischof Wolfgang Huber, hatte am Morgen in einer Bibelarbeit einen "ökumenischen Paradigmenwechsel" angeregt. "Wir sollten zu einer Ökumene des Indikativs statt des Imperativs kommen und erkennen, welche Gaben wir in der Gemeinschaft der Kirchen haben und nicht nur, welche Aufgaben." Eine solche "Ökumene des dankbaren Gotteslobes" sagte Huber in seiner Auslegung von Epheser 4, 3-6, sei keine Ökumene von oben, in der aus der Einheit Gottes auf die Uniformität der Kirche geschlossen wird. "Sondern es handelt sich um eine Ökumene von unten, die der Verschiedenheit Raum gibt, dabei aber auf die Kraft der Einheit vertraut."

Zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer und der Öffnung des eisernen Vorhangs zwischen Ost- und Westeuropa könnten die Kirchen aus Freude über dieses Geschenk "beherzte Konsequenzen" für die Zukunft ziehen.



Lyon, 17. Juli 2009



Pressestelle der EKD

Silke Römhild


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Europäische Kirchenkonferenz in Lyon eröffnet

Lyon/Hannover (epd). Die Vollversammlung der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) ist am Mittwoch im französischen Lyon eröffnet worden. Vertreter orthodoxer, protestantischer, anglikanischer und altkatholischer Kirchen beraten bis 21. Juli über die Ökumene und die künftige Arbeit der Vereinigung. Auf der Tagesordnung steht auch die Wahl eines neuen Zentralausschusses, teilte die KEK mit. Höhepunkt der Tagung mit mehr als 800 Teilnehmern sind die Feiern zum 50-jährigen Bestehen der Organisation.



KEK-Präsident Jean-Arnold de Clermont nannte Armutsbekämpfung, den Einsatz für die UN-Millenniumsziele und das Bemühen um nachhaltige Entwicklung als Kernthemen der künftigen Arbeit. "Die Kirchen müssen zusammen stehen und bezeugen, dass Wandel möglich ist."



ter den vielen philosophischen oder religiösen Angeboten zur Frage der menschlichen Zukunft bleibe die Aussage des Christentums "die kühnste und großartigste", sagte Erzbischof Anastasios von Tirana und Ganz Albanien, Vizepräsident der KEK, in seiner Predigt im Eröffnungsgottesdienst. Der orthodoxe Geistliche hob zudem die Rolle der Kirchen bei der friedlichen Revolution von 1989 hervor: "Die KEK hat geholfen, die Teilung Europas zu überwinden."


Die Vollversammlung der KEK ist das oberste Organ der Konferenz Europäischer Kirchen und wird alle sechs Jahre einberufen. Die Tagung in Lyon steht unter dem Thema "Zur einen Hoffnung in Christus berufen". Vertreter von angeschlossenen Organisationen und anderen kirchlichen und ökumenischen Gremien nehmen an der Vollversammlung in beratender Eigenschaft teil.


Die Konferenz Europäischer Kirchen entstand in der Zeit des "Kalten Krieges" Ende der 50er Jahre. Christen aus Ost- und Westeuropa fanden sich in dem Bemühen zusammen, angesichts der politischen Konfrontation ein Forum zu schaffen, das die internationale Verständigung fördern und Brücken zwischen den Kirchen in Ost und West schlagen sollte.


Für die 126 Mitgliedskirchen der KEK nehmen mehr als 400 Delegierte an der Vollversammlung teil. Die evangelischen Kirchen in Deutschland werden von 27 Delegierten in Lyon vertreten, darunter der württembergische Landesbischof Frank Otfried July und der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Martin Schindehütte.


Redner auf dem Kirchentreffen sind unter anderen der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber, der Ökumenische Patriarch Bartholomäus I. als Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christen weltweit sowie Patriarch Daniel von Rumänien. Ein Grußwort wird der Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin, sprechen. Die römisch-katholische Kirche ist nicht Mitglied des Kirchenbundes. Allerdings arbeiten die KEK und der katholische Rat der Europäischen Bischofskonferenzen eng zusammen.


Die KEK hatte zuletzt einige Spannungen auszuhalten. Die Russische Orthodoxe Kirche hat im Herbst 2008 ihre Mitarbeit in der europäischen Kirchenvereinigung ausgesetzt. Hintergrund sind innerorthodoxe Streitigkeiten, ein gescheiterter Beschluss über die KEK-Mitgliedschaft des zum Moskauer Patriarchat gehörenden Teils der orthodoxen Kirche von Estland. Bereits 1997 hatten die orthodoxen Kirchen von Bulgarien und Georgien die Organisation verlassen.




epd lnb/bas mil / 15.7.2008

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