Übernahme der Caritas-Heime in Hannover von Berliner Stiftskuratorium bekräftigt - Mitarbeiter protestieren gegen Pläne

Nachricht 15. Juli 2009

Hannover/Berlin (epd). In einer Sondersitzung hat das Kuratorium des Evangelischen Johannesstifts in Berlin am Dienstag der Übernahme der Caritas-Pflegeheime in Hannover zum 1. August zugestimmt. Dagegen steht eine Zustimmung der 580 Beschäftigten in Hannover noch aus. Während das Johannesstift am Mittwoch in Berlin mitteilte, es wolle "die gute Pflege für die Bewohner der Caritas-Pflegeheime fortführen und die Arbeitsplätze der Mitarbeitenden erhalten", rief die Gewerkschaft ver.di für den Nachmittag zu einer Protestkundgebung in Hannover auf.



Die Übernahmepläne des Johannesstifts waren von ver.di stark kritisiert worden, da die Einrichtung angekündigt hatte, den Mitarbeitern bis zu 13 Prozent weniger Lohn zu zahlen. Die Beschäftigten sollen bis Ende Juli entsprechende Einzelverträge unterschreiben, andernfalls kann die Zusammenarbeit nach Angaben des Stifts platzen. Die Gewerkschaft rät den Mitarbeitern, keine Gehaltsabsenkung ohne sorgfältige Überprüfung aller Alternativen hinzunehmen.


In einem fünfseitigen offenen Brief übt die Caritas-Leitung jetzt scharfe Kritik an der Caritas-Mitarbeitervertretung und der Diakonie in Hannover. Die Arbeitnehmervertreter haben Verhandlungen mit anderen Anbietern gefordert. Als möglicher Interessent gilt das Stephansstift als größter evangelischer Altenhilfeträger in Hannover, das vor kurzem einen Verbund mit den Diakonischen Heimen Kästorf in Gifhorn ins Leben gerufen hatte.


In dem Brief wirft der Caritas-Vorstand der hannoverschen Diakonie vor, sie wolle die eigenen Kapazitäten der Altenpflegeplätze deutlich erhöhen und lege "allergrößten Wert darauf, dass es keine Anbieter der Diakonie auf ihrem Gebiet gibt, die nicht aus der Landeskirche kommen". Außerdem habe die Diakonie bisher nie signalisiert, an Übernahmeverhandlungen interessiert zu sein. "Wir werden seitens der Verantwortlichen des Caritasverbandes das Verfahren nicht öffnen auf weitere Anbieter", heißt es.


Der Präsident des Diakonischen Werks der hannoverschen Landeskirche, Christian Sundermann, wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete das Angebot als "Einstieg in die Richtung von Dumpinglöhnen". Der niedersächsischen Diakonie gehe es darum, die Löhne auf ein höheres Niveau zu heben, statt sie weiter abzusenken. Bereits jetzt bilde Niedersachsen unter den westdeutschen Bundesländern das Schlusslicht. Die Sätze liegen bis zu 20 Prozent unter dem Durchschnitt. "Wir brauchen eine menschenwürdige Entlohnung in der Pflege."


Wenn das Johannesstift mehr bezahle, hätte die Diakonie auch keine Einwände, sagte Sundermann. Als Beispiel nannte der Superintendent den Altenhilfeträger "Birkenhof" in Hannover, der Anfang 2007 von den von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel aus dem westfälischen Bielefeld übernommen wurde.


In der hannoverschen Diakonie habe niemand von einer bevorstehenden Insolvenz der Caritas-Heime und vor allem von der Suche nach einem neuen Träger gewusst, sagte Sundermann weiter. In Gesprächen zwischen Diakonie und Caritas in den vergangenen Wochen sei dann der Eindruck entstanden, dass die Caritas ausschließlich mit dem Johannesstift verhandeln wolle. Sundermann betonte, der gemeinsame Fokus von Katholiken und Protestanten müsse auf einer besseren Entlohnung der Pflege liegen.


Der Berliner Bischof Wolfgang Huber bedauerte als Kuratoriumsvorsitzender des Johannesstifts die Auseinandersetzungen. Er halte es für unangemessen, "dass tarifpolitische Fragen auf Kosten der Mitarbeitenden ausgetragen werden". Es sei die gemeinsame Aufgabe, die Rahmenbedingungen für die Pflege zu verbessern. "Die Diskussion von Mindestlöhnen vor dem Hintergrund der geringen Entgelte halte ich für ein Alarmsignal", erklärte Huber weiter. "Es unterstreicht, dass der Abwärtstrend in der Finanzierung der Pflege gestoppt werden muss."




epd lnb/ost mil mir / 15.7.2009

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