Gewerkschaft ruft Caritas-Mitarbeiter in Hannover zu Protest auf

Nachricht 13. Juli 2009

Hannover (epd). Die Gewerkschaft ver.di hat die Mitarbeiter der fünf finanziell angeschlagenen Altenheime der katholischen Caritas in Hannover zu einer Protestkundgebung an diesem Mittwoch aufgerufen. "Die Schmerzgrenze ist überschritten" hieß es in dem Aufruf von Montag zu den Übernahme-Plänen durch das Evangelische Johannesstift in Berlin. Die diakonische Einrichtung hatte angekündigt, den rund 580 Beschäftigten der defizitären Heime bis zu 13 Prozent weniger Lohn zu zahlen. Nur so seien die Heime vor der drohenden Insolvenz zu retten.



Die neuen Verträge zeigten den deutlichen Gehaltsverlust schwarz auf weiß, hieß es: "Wir brauchen aber ein Gehalt, von dem wir leben können!" Deshalb müssten alle Alternativen überprüft werden. Dazu gehöre auch, nicht nur exklusiv mit einem Anbieter zu verhandeln. Gewerkschaftssekretärin Brigitte Horn hatte den Caritas-Mitarbeitern bereits in der vergangenen Woche geraten, keine Gehaltsabsenkung ohne sorgfältige Überprüfung aller Alternativen hinzunehmen.


Mit der geplanten Übernahme will erstmals in Deutschland ein evangelischer Sozialträger mehrere katholische Einrichtungen erwerben. Es gebe inzwischen auch eine andere große evangelische Einrichtung, die Interesse habe, die Heime zu übernehmen, sagte Horn. Da dieser diakonische Träger aus Niedersachsen komme, müssten die Gehälter nicht so deutlich abgesenkt werden wie bei dem Sozialwerk aus Berlin. Die Heime mit 530 Bewohnern und 250 Patienten in der ambulanten Pflege hatten im vergangenen Jahr ein Defizit von 1,8 Millionen Euro eingefahren.


Horn kritisierte, dass die Caritas-Mitarbeiter mit der drohenden Insolvenz unter Druck gesetzt würden. Die Beschäftigten der Heime sollen bis Ende Juli Einzelverträge unterschreiben, bei denen der in Berlin geltende niedrigere Tarif zugrunde gelegt wird. Andernfalls kann die Zusammenarbeit nach Angaben des Johannesstiftes platzen. Laut Horn wird auf diese Weise unter anderem die gesetzliche Besitzstandswahrung von einem Jahr unterlaufen.


Die Caritas dürfe nicht ausschließlich mit dem Johannesstift zu verhandeln, sagte Horn. Nach Angaben von ver.di und dem Johannesstift muss eine Vollzeit-Arbeitskraft auf etwa 250 bis 300 Euro brutto im Monat verzichten. Der Caritasverband teilte mit, ihm liege kein weiteres schriftliches Angebot eines evangelischen Trägers vor. Das Johannesstift hatte angekündigt, drei Jahre lang auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Zudem wolle es 8,3 Millionen Euro in die sanierungsbedürftigen Gebäude investieren. Das Werk mit rund 1.900 Mitarbeitern in der Alten-, Jugend- und Behindertenhilfe will zum August 90 Prozent der Anteile der "Caritas-Seniorendienste-Hannover gGmbH" erwerben.


Auch die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann und Diakonie-Direktor Christoph Künkel hatten kritisiert, dass das Stift den Beschäftigten deutlich weniger Geld zahlen wolle. - Die Kundgebung soll am Mittwoch um 14.45 Uhr vor dem Gebäude der Caritas am Leibnizufer 13-15 stattfinden.



epd lnb mil/mig / 13.7.2009

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