Ein Blick zurück zu Luther hilft bei Integration des Islam in westlichen Gesellschaften

Nachricht 11. Juli 2009

Deutscher Verfassungsrechtler Robbers: Luthers Einführung in den Koran ist früher Akt der Aufklärung

Budapest (LWI). Der Reformator Martin Luther könne Christinnen und Christen heute dabei helfen, zur Integration des Islam in westlichen Gesellschaften beizutragen, erklärte der deutsche Verfassungsrechtler Prof. Dr. Gerhard Robbers Ende Juni im Rahmen einer Konsultation des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Budapest (Ungarn).

Robbers, Verfassungs- und Staatskirchenrechtler an der Universität Trier, erinnerte daran, dass Luther in seiner Einführung zu einer deutschsprachigen Koranübersetzung dazu aufgerufen hatte, den Koran zu lesen, um den Islam und die Musliminnen und Muslime - und letzten Endes auch sich selbst - besser zu verstehen.

Diese Aufforderung stelle “einen wahrhaftigen und frühzeitigen Akt der Aufklärung” dar und liefere ein gutes Beispiel für den Versuch, “den anderen zu verstehen” - ein Versuch, der im heutigen, von zunehmendem religiösem Pluralismus geprägten Europa dringend notwendig sei.

An der Tagung vom 26. bis 29. Juni in der Evangelisch-Lutherischen Theologischen Universität von Budapest zum Thema “Kirche und Staat in Gesellschaften im Prozess des Wandels” nahmen rund 30 Personen aus europäischen und außereuropäischen LWB-Mitgliedskirchen teil.

Robbers bezeichnete es als grosse Herausforderung, den Muslimen und dem Islam in diesem Prozess des Wandels in Europa einen angemessenen Rechtsstatus zu geben. In seinem Vortrag über “Neue Formen des Pluralismus als Faktoren der Herausforderung und des Wandels” erklärte er, die Europäerinnen und Europäer müssten sich in Erinnerung rufen, wie viel der Islam und das Christentum gemeinsam hätten.

“Viele Menschen in Europa haben vergessen, was ihre Kultur der muslimischen Welt verdankt”, bemerkte er und verwies auf den Einfluss islamischen Gedankenguts in Philosophie, Medizin, Mathematik, Ökonomie und Diplomatie.

“Viele Schlüsselmerkmale der Gesetze der internationalen Diplomatie haben ihren Ursprung in der muslimischen Rechtskultur”, betonte Robbers. “Und religiöse Toleranz, oder zumindest die Toleranz gegenüber den Religionen, die sich auf die Heilige Schrift berufen, entstammt muslimischem Denken.”

Robbers regte an, Parallelen zwischen lutherischem und islamischem Denken zu suchen -sowohl hinsichtlich der Rolle der Schrift (Luthers “sola scriptura”) und des Stellenwerts des Gottesreiches als auch der Überzeugung, dass Geistlichen in der Beziehung zwischen Gläubigen und Gott keine Vermittlerrolle zukomme.

Im Luthertum bestehe keine Notwendigkeit für eine Hierarchie unter Geistlichen, stellte Robbers fest. „Im Islam ist das ganz ähnlich.”

(Ein Beitrag von Stephen Brown, Chefredakteur von Ecumenical News International, der für LWI über die Konsultation in Budapest berichtete.)


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Deutsche Redaktion: Dirk-Michael Grötzsch

9.7.2009

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