Lutheraner: Papst-Enzyklika fördert die Zusammenarbeit

Nachricht 09. Juli 2009

Wolfenbüttel (epd). Die neue Sozialenzyklika des Papstes wird nach Einschätzung des Catholica-Beauftragten der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Friedrich Weber, die Zusammenarbeit zwischen Katholiken und Lutheranern fördern. Sie bestätige seinen Eindruck, dass beide Seiten mehr eine als trenne, sagte der Ökumeneexperte am Mittwoch in Wolfenbüttel. In seiner am Dienstag veröffentlichten Enzyklika mit dem Titel "Caritas in veritate" ("Liebe in Wahrheit") geht Papst Benedikt XVI. auf die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise ein, die er als Chance für ein radikales Umdenken sieht.

Der braunschweigische Landesbischof Weber sagte, in der Sozialenzyklika fehlten konkrete Hinweise, wie die Probleme beispielsweise der Finanzmärkte zu lösen seien. Dies entspreche zwar dem Charakter einer Enzyklika, sei aber dennoch zu bedauern. Der Papst rufe nach einer neuen Ethik und fordere dringend, "eine echte politische Weltautorität" zu bestimmen. Die Enzyklika könne so durchaus als eine Kritik des Systems verstanden werden, das solche Krisen nicht verhindere.

Für "bemerkenswert" an der Verlautbarung des Papstes hält Weber, dass sie vom Geist einer kulturellen Aufgeschlossenheit geprägt sei. Die Vielfalt der aktuellen wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Entwicklungen werde respektiert. Kritisch sei anzumerken, dass vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen mit der Pius-Bruderschaft das Zweite Vatikanische Konzil in der Enzyklika nicht explizit gewürdigt werde. Das Zweite Vatikanische Konzil hatte 1965 auch Aussagen zur katholischen Soziallehre gemacht. Die rechtskatholische Pius-Bruderschaft lehnt Ökumene, Religionsfreiheit und die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils ab.

Weber erwartet, dass die Enzyklika des Papstes insbesondere die gerade begonnene Arbeit einer Arbeitsgruppe der Kirchenleitung der VELKD und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz fördern wird. Die Arbeitsgruppe widme sich dem Thema "Die Würde des Menschen".


lnb epd lau mir / 8.7.2009
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