Kirchenpräsident Schmidt sieht im Calvinjahr großen Erfolg

Nachricht 08. Juli 2009

Leer (epd). Der Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche, Jann Schmidt, sieht im Calvinjahr 2009 einen großen Erfolg. Der französisch-schweizerische Reformator (1509-1564), dessen 500. Geburtstag sich an diesem Freitag (10. Juli) jährt, gebe mit seinen Lehren auch heute noch Impulse, sagte Schmidt am Mittwoch im ostfriesischen Leer. Höhepunkt des Calvin-Jahres ist ein Festakt an diesem Sonntag in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin, mit dem die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und der Reformierte Bund am Jubiläumstag den Gründungsvater des reformierten Protestantismus würdigen. 

In Deutschland sei die Reformation eng mit dem Namen Martin Luther verbunden, sagte Schmidt. Ihre weltweite Ausbreitung sei jedoch ohne Calvin nicht denkbar gewesen. "Dank des Calvin-Jahrs ist es gelungen, den Reformator der zweiten Generation aus seinem Schattendasein heraus zu führen." Für die zweite Hälfte des Gedenkjahres wünsche er sich, dass die Bedeutung des Reformators für die Ökumene stärker herausgestellt werde. Calvin habe nie eine Kirchenspaltung angestrebt. Vielmehr biete seine Überzeugung, dass eine Kirche stets dort zu finden sei, wo sich Menschen in Gottes Namen versammelten, eine Grundlage für ein gutes Miteinander verschiedener Kirchen. 

Die Evangelisch-reformierten Gemeinden hätten durch Vorträge, Gottesdienste und Konzerte einen ihrer Gründungsväter wiederentdeckt, sagte Schmidt weiter. Neben Calvin zählt der Züricher Reformator Ulrich Zwingli (1484-1531) zu den Vätern der Evangelisch-reformierten Kirche, deren Wurzeln in der Reformation des 16. Jahrhunderts liegen. Die Kirche mit Sitz in Leer zählt zu den kleineren der 22 Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zu ihren 142 Gemeinden zwischen Ostfriesland und dem Allgäu gehören rund 186.500 Mitglieder.

Bei der Festveranstaltung am Freitag in Berlin wird Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) über die europäische Dimension von Calvins Wirken sprechen. Zum Calvin-Jubiläum wurde eine Sonderbriefmarke im Wert von 70 Cent ausgegeben. Calvin gilt neben Martin Luther (1483-1546) als der wichtigste Erneuerer der Kirche. Er wurde am 10. Juli 1509 in Noyon im Nordosten Frankreichs geboren und starb am 27. Mai 1564 im schweizerischen Genf. Seine Theologie, die vor allem in seinem Hauptwerk "Institutio - Unterweisung in der christlichen Religion" zu finden ist, prägt bis heute die evangelisch-reformierten Kirchen. Die Zahl der reformierten Christen wird von Experten weltweit auf mehr als 80 Millionen geschätzt. 

Internet: www.calvin09.org, www.reformiert-info.de

epd lnb mir mig/8.7.2009

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Die Evangelisch-reformierte Kirche



Leer (epd). Die Evangelisch-reformierte Kirche mit Sitz im ostfriesischen Leer zählt zu den kleineren der 22 Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zu ihren 142 Gemeinden zwischen Ostfriesland und dem Allgäu gehören rund 186.500 Mitglieder.



Die Wurzeln der Kirche liegen in der Reformation des 16. Jahrhunderts. Zu ihren Vätern zählen der Züricher Reformator Ulrich Zwingli (1484-1531) und der Genfer Reformator Johannes Calvin (1509-1564). Die beiden Reformatoren setzten auf eine radikale Erneuerung der Kirche. Die evangelischen Kirchen in Deutschland und der Schweiz haben das Jahr 2009 zum Calvin-Jahr ausgerufen, um an den 500. Geburtstag des Kirchenerneuerers am 10. Juli zu erinnern.



In reformierten Kirchen gibt es keine Altäre, keine Kruzifixe und keine Wandmalereien, weil das nach reformierter Zählung zweite Gebot "Du sollst dir kein Bildnis machen" sehr ernst genommen wird. Im Mittelpunkt der Gottesdienste steht die Predigt. In der reformierten Kirche herrscht ein striktes Gleichheitsprinzip: "Keine Gemeinde darf über eine andere, kein Gemeindeglied über ein anderes Vorrang oder Herrschaft beanspruchen", heißt es in der Kirchenverfassung. Nur Themen, die in der Gemeinde nicht selbst geklärt werden können, werden von der Synode behandelt.



Die Evangelisch-reformierte Kirche wurde 1882 auf dem Gebiet des heutigen Niedersachsen gegründet, nachdem Kaiser Wilhelm I. den reformierten Gemeinden in seinem preußischen Herrschaftsgebiet die Einberufung einer eigenen Synode ermöglichte. Reformierte Gemeinden in Ostfriesland, der Grafschaft Bentheim, der Grafschaft Lingen und der Herrschaft Plesse sowie Gemeinden an der Unterweser und Hugenotten-Gemeinden schlossen sich zu einer eigenständigen Kirche zusammen. 1989 kamen die reformierten Gemeinden aus Bayern hinzu.



Reformierte Kirchen gibt es - neben lutherischen und katholischen Kirchen - auf allen Kontinenten. Von den 208 reformierten Kirchen weltweit sind 102 im Reformierten Weltbund zusammengeschlossen. Die Zahl der reformierten Christen insgesamt wird auf rund 90 Millionen geschätzt.


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