Landesbischöfin wirbt für einladende Kirchen

Nachricht 28. Juni 2009

Lüneburg (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat für einladende offene Kirchen geworben. "Das Christentum ist eine Gemeinschaftsreligion", sagte Käßmann am Sonntag in einem Festgottesdienst zum 600. Jubiläum der Lüneburger St. Nicolaikirche. Darum sei es wichtig, Menschen einzuladen, "mitzusingen, mitzubeten und sich hinein nehmen zu lassen in die Gemeinschaft". Dies ermutige auch dazu, in der Welt Verantwortung zu übernehmen. "Einladende Kirche zu sein, das ist heute wie vor 600 Jahren die Aufgabe."

Es beeindrucke sie, wie damals die Lüneburger Bürger begeistert Kirchen gebaut hätten. "Wir stehen in einer Glaubenstradition", sagte Käßmann. Die heutigen Konfirmanden seien diejenigen, die in 50 Jahren Geschichten von früher erzählten. Käßmann rief dazu auf, Kinder christlich zu erziehen. Es sei wichtig, ihnen Leitfäden und Rituale an die Hand zu geben, damit sie in ihrem Glauben und ihrer Gemeinde eine Heimat fänden. "Deshalb sind wir als christliche Kirchen engagiert in Kindertagesstätten, Kindergottesdienst, Jugendarbeit."

Die Kirchengebäude seien bis heute ein sichtbares Wahrzeichen der Existenz des christlichen Glaubens, sagte Käßmann weiter. Gerade in einer Zeit, in der weniger Menschen der Kirche angehörten, sei es wichtig, "dass wir offene Kirchentüren haben und Menschen einladen, sich mit den wirklich wichtigen Fragen im Leben zu befassen".

Der Lüneburger Landessuperintendent Hans-Hermann Jantzen sagte in einem Grußwort, die Kirchen würden erst durch Menschen, die sie mit Leben füllten, ihrer Bestimmung gerecht. Jantzen rief zum Einsatz für Menschen in Not auf. Im Gottesdienst übergaben Kinder der Bischöfin Geld, dass sie für Kinderhilfsprojekte in Südamerika gesammelt hatten. Sie wurden von einem Darsteller des historischen Bischofs Nikolaus begleitet. Der Bischof aus dem vierten Jahrhundert ist Schutzpatron der Kinder und der Nicolaikirche.

St. Nicolai ist die jüngste, der heute noch erhaltenen drei Innenstadtkirchen in Lüneburg. Am 30. Juni 1409 ließ der Lüneburger Rat sie als ersten sakralen Großbau weihen, den die Hansestadt selbst und nicht der Klerus initiiert hatte. Sie gehört zu den letzten monumentalen Backsteinbasiliken Norddeutschlands und zählt zu den wenigen Bauwerken dieser Art, die den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden haben.


epd lnb mir / 28.6.2009
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