Glaubwürdig Kirche bleiben in veränderten Strukturen

Nachricht 25. Juni 2009

Landesbischöfin besucht den Kirchenkreis Osterode

Am Mittwoch bereiste Landesbischöfin Margot Käßmann den evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Osterode. Der 55. Kirchenkreisbesuch seit Amtsantritt im Jahr 2000 führte die promovierte Theologin durch die Regionen des Kirchenkreises. Die Teilnahme an der Hauptamtlichenkonferenz, Gespräche mit der Stadt, Besuche im Internationalen Treff und in der Rumänienhilfe sowie in der St. Jacobi Altenpflegeeinrichtung, die Besichtigung der mit Gemeinderäumen ausgestatteten Kirche in Nienstedt und ein Abendmahlsgottesdienst in der Weißenwasser-Kirche in Kalefeld standen auf dem Programm. Begleitet wurde sie von Superintendentin Ilse Lontke.

In den Gesprächen mit Haupt- und Ehrenamtlichen wurde die Landesbischöfin mit der Erwartung konfrontiert, dass die Kirchenleitung die Pfarrstellenkürzungsbeschlüsse zurücknehmen möge. Im Gespräch mit Hauptamtlichen berichtete Pastor Horst Reinecke aus der Stadtregion Osterode, dass künftig für 11.000 Gemeindeglieder und neun Kirchen nur noch vier Pastorenstellen zur Verfügung stünden. Im Alten Amt bei Kalefeld würden für elf Orte mit elf Kirchen künftig nur noch zwei Pfarrstellen übrig bleiben, sagte Pastor Rolf Wulkop.

Margot Käßmann zeigte Verständnis für den Wunsch der Haupt- und Ehrenamtlichen, viele Pfarrstellen zu erhalten. Allerdings bliebe der Landeskirche angesichts des demografischen Wandels und der sinkenden Kirchensteuern keine andere Wahl. Die Landeskirche müsse gut haushalten, da sie keine Schulden machten könne. Etwa 86 Prozent der Ausgaben seien Personalkosten. Nach wie vor habe die Arbeit in den Gemeinden durch Pastoren und andere Hauptamtliche in der Landeskirche einen hohen Stellenwert. So seien die Pfarrstellen nur unterproportional um 10 Prozent gekürzt worden, bei der Verwaltung des Landeskirchenamtes seien 30 Prozent vorgesehen. Auch habe sich die Landeskirche von Einrichtungen wie dem Studienhaus in Göttingen, dem Lutherheim in Springe und dem Predigerseminar Celle trennen müssen, um Kosten zu reduzieren, so Käßmann.

Arbeit und Leben habe im Kirchenkreis Osterode eine hohe Qualität, stellte die Landesbischöfin fest. Zuvor hatte sie in der Vorstellungsrunde erfahren, dass viele Pastoren schon viele Jahre im Kirchenkreis arbeiteten. Pastor Reinhard Wicke schilderte anschaulich vom aktiven Vereinsleben in den Ortschaften. Bei den großen Festen habe „Kirche dabei ihren Platz,“ sagte der Wulftener Pastor Peter Schlichting. Auch im Gespräch mit Bürgermeister Klaus Becker und den Ortsbürgermeistern wurde von den politischen Vertreterinnen und Vertretern die Arbeit der Pastoren gelobt. Auch bei der Integration von Migranten seien die christlichen Kirchen eine große Unterstützung, sagte Becker.

Im Gespräch mit Mitgliedern zweier Förderkreise, die zusammen eine viertel Pfarrstelle finanzieren, warb Margot Käßmann auch für die Initiative von Landessuperintendent Eckhard Gorka „einfach.Gottesdienst.feiern.“ Das Projekt sehe vor, im Sprengel Hildesheim-Göttingen Ehrenamtliche zu suchen, die Zeit spenden. Mit dieser Zeitspende könnten in den rund 700 Kirchen häufiger die Türen offen stehen und zu Gottesdiensten in einfacher Form eingeladen werden.

Am Ende der Gespräche dankte die Landesbischöfin für den Einsatz der Haupt- und Ehrenamtlichen im Kirchenkreis. Zugleich sagte sie, dass sie sch dafür einsetzen werde, dass die Landeskirche auch in Zukunft in veränderten Strukturen eine „glaubwürdige Kirche bleibt".

Bernd Ranke / 25.6.2009
Informations- und Pressestelle
im Sprengel Hildesheim-Göttingen
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