Kirchenkreis Uelzen ringt nach Insolvenz um Zukunft diakonischer Arbeitsbereiche

Nachricht 24. Juni 2009

Uelzen (epd). Der evangelische Kirchenkreis Uelzen ringt nach Insolvenz seiner Diakonie gGmbH um die Zukunft der betroffenen Arbeitsbereiche. Interimsgeschäftsführer Martin Raabe stellte am Dienstagabend vor dem Kirchenkreistag in Uelzen ein Lösungskonzept vor. Danach könnten Aufgaben wie die Schwangerschaftskonfliktberatung, zwei Sozialkaufhäuser und die Schuldnerberatung zumindest vorübergehend in den Diakonieverband der benachbarten Kirchenkreise Lüneburg und Bleckede und seinen Herbergsverein übernommen werden. Er hoffe, "dass bis zu 100 Prozent der Maßnahmen und Arbeitsplätze gerettet werden können".

Der Kirchenkreistag gab seine Zustimmung zu Verhandlungen. Die Delegierten diskutierten bis spät in die Nacht darüber, wie es zum Defizit der Gesellschaft gekommen war, und warum die Gremien nicht rechtzeitig informiert worden waren. In der Kritik standen dabei vor allem der Uelzener Propst Wolf von Nordheim und der frühere Geschäftsführer der Diakonie gGmbH, Jörg Stoffregen, der im März abberufen worden war. In der Sitzung wurde laut, dass die Diakonie gGmbH bisher ein Defizit von rund 640.000 Euro angehäuft hat, 120.000 mehr als zunächst bekannt wurde.

Raabe hatte im Mai den Antrag auf ein Insolvenzverfahren gestellt, das voraussichtlich Anfang August eröffnet wird. Eine Insolvenz scheint aus Sicht des Diakonischen Werkes der hannoverschen Landeskirche unvermeidbar, sagte dessen stellvertretender Leiter Jörg Antoine. Er empfahl die Zusammenarbeit mit dem Diakonieverband Lüneburg-Bleckede anstelle einer eigenen Auffanggesellschaft.

Das landeskirchliche Rechnungsprüfungsamt hat die Aktenlage in den vergangenen Wochen untersucht. Über Ergebnisse könne jedoch noch nicht berichtet werden, sagte der Präsident des hannoverschen Landeskirchenamtes Burkhard Guntau. Sie seien Teil eines laufenden Disziplinarverfahrens. Dieses soll klären, ob Propst von Nordheim, der auch Aufsichtsratvorsitzender der Diakonie gGmbH ist, seine Dienstpflicht verletzt hat. Von Nordheim lässt seit Beginn der Untersuchungen seine Ämter in der hannoverschen Landessynode sowohl als Kirchenparlamentarier als auch als Vorsitzender des Landessynodalausschusses vorläufig ruhen.

Die Diakonie gGmbH war 2006 gegründet worden, um innovative Projekte ins Leben zu rufen. Ziel war es, Langzeitarbeitslose wieder ins Berufsleben einzugliedern. In der Geschäftsführung sind Raabe zufolge "schlimme handwerkliche Fehler gemacht worden". So seien Kosten nicht ausreichend kalkuliert gewesen und beantragte Mittel zugrunde gelegt worden, noch bevor sie geflossen seien. Inhaltlich sei jedoch anerkannte Arbeit geleistet worden. Von 713 betreuten Arbeitslosen sei rund ein Viertel auf den ersten Arbeitsmarkt gelangt.

Um Projekte anzuschieben, hatte der Kirchenkreisvorstand Nordheim zufolge im Dezember 2007 ein Darlehen von 300.000 Euro gewährt. Der Propst, der zugleich Vorsitzender des Kirchenkreisvorstandes und des Aufsichtsrates der Diakonie gGmbH ist, geriet auch deshalb in die Kritik, weil dieser Schritt nicht mit dem Finanzausschuss des Kirchenkreistages abgestimmt war. Er sagte am Dienstagabend, der Kirchenkreisvorstand sei zunächst davon ausgegangen, dass durch beantragte EU-Mittel Gelder zurückflössen. Nachdem sich abgezeichnet habe, dass das Ergebnis nicht wie erhofft ausfalle, sei erst im vergangenen Dezember das volle Ausmaß des Verlustes offensichtlich geworden.

Ende April hatte die Landeskirche 100.000 Euro zur Rettung der Gesellschaft freigegeben. Aus einem Fonds für Notfälle wurden ein einmaliger Zuschuss von 25.000 Euro gewährt und ein Darlehen über weitere 75.000 Euro in Aussicht gestellt. Seitdem bei der vergangenen Kirchenkreistagssitzung im März die Schieflage der Gesellschaft offenbar wurde, wird im Kirchenkreis Uelzen öffentlich über das Thema diskutiert.

epd lnb mir mig/24. Juni 2009
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen