Manzke: "Kirche gehört zum Alltag und nicht ins Museum“

Nachricht 23. Juni 2009

Von Jörg Nielsen und Michael Grau (epd)

Aurich (epd). Der neue Bischof lächelte nach der Wahl sichtlich gelöst. "Ich werde alles daran setzen, mit Ihrer Hilfe diesen Auftrag, vor dem ich großen Respekt habe, gerecht zu werden", sagte Karl Hinrich Manzke unter dem Applaus der Synodalen. Am Dienstag wurde er in Bückeburg von den Mitgliedern des Kirchenparlamentes an die Spitze der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe gewählt, der mit rund 61.000 Mitgliedern zweitkleinsten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Im Oktober wird er sein neues Amt als Nachfolger von Landesbischof Jürgen Johannesdotter (65) antreten.

Die Synode hatte es spannend gemacht. In den ersten beiden Wahlgängen lag der 51-jährige Auricher Superintendent noch nahezu gleichauf mit seinem Mitbewerber, Propst Martin Herche (56) aus Halle. Im dritten Anlauf erhielt er mit 20 von 30 Stimmen dann eine deutliche Mehrheit. "Es lohnt sich, in der Kirche mitzuarbeiten", rief er den Synodalen nach der Abstimmung mit einem Blumenstrauß in den Händen zu. Dafür wolle er die Menschen in der Region motivieren. Es gelte nun, "unsere schaumburgische Landeskirche zu entwickeln und zu gestalten".

Auch wenn seine neue Wirkungsstätte eine der kleinsten unter den 22 evangelischen Landeskirchen in Deutschland ist, reize ihn die Aufgabe, sagte Manzke dem epd. "Im Schaumburger Land gibt es einen starken Zusammenhalt zwischen den Menschen der Region und ihrer Kirche, darin ähneln sie sehr den Ostfriesen."

Seit 1998 leitet Manzke den Kirchenkreis Aurich, der mit 33 Gemeinden und rund 76.000 Mitgliedern größer ist als die schaumburg-lippische Kirche mit ihren 22 Gemeinden. Doch nach elf Jahren als Superintendent möchte er etwas Neues wagen.

Karl Hinrich Manzke wurde am 13. Februar 1958 in Stade geboren. Er wuchs in Celle auf und studierte Theologie und Philosophie in Tübingen, London und München. Nach seinem Examen promovierte er in München über "eine theologische Deutung der Zeit". Bevor er nach Aurich kam, war er sieben Jahre Pastor in Soltau und drei Jahre Studiendirektor im Predigerseminar Imbshausen der hannoverschen Landeskirche bei Northeim. Manzke ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sein Vater war bis 1992 Regionalbischof des evangelisch-lutherischen Sprengels Stade.

In den vergangenen Monaten wurde in Niedersachsen heiß über einen Zusammenschluss der fünf evangelischen Kirchen debattiert. Manzkes aktueller Arbeitgeber, die hannoversche Landeskirche, spricht sich für einen Zusammenschluss aus. Sein künftiger Arbeitgeber lehnt ihn dagegen ab. Für Manzke ist klar: "Ich werde natürlich den Beschluss der schaumburg-lippischen Synode respektieren und verteidigen." Er ist davon überzeugt, dass es keine normierte Größe für eine Landeskirche gibt. Gleichwohl müsse die gute Nachbarschaft bewahrt werden: "Schaumburg-Lippe darf nicht zu einem gallischen Dorf werden."

Die Kirche habe die Aufgabe, den Menschen das Evangelium verständlich zu vermitteln, sagt der leidenschaftliche Prediger. "Sie gehört zum Alltag der Menschen und nicht ins Museum." Er selbst sei ein Fan traditionell geprägter Gottesdienste. Doch müsse die Kirche beweglich bleiben, ohne dabei ihre Inhalte aufzugeben. Der Reformator Martin Luther habe recht, wenn er sage: "Nur der Teufel will, dass die Kirche bleibt wie sie ist."

Wenn Manzke nicht im Chor die großen Oratorien und modernes Liedgut singt, spielt er Violine. Und wenn Wetter und Zeit mitmachen, treibt es ihn auf den Tennisplatz: "Ich gestehe, ich bin von Boris Becker geschädigt." Er spiele seit Beckers erstem Sieg in Wimbledon. "Nicht ganz so erfolgreich, aber gut genug für ein Match unter Freunden."

Manzke ist in Ostfriesland heimisch geworden: "Darum ist der Abschied auch traurig." In Ostfriesland hinterlässt er sichtbare Spuren. Besonders die Rekonstruktion des mittelalterlichen Klosters Ihlow südlich von Aurich war ihm eine Herzensangelegenheit, die er über Jahre hinweg begleitet und immer wieder gefördert hat. Die Einweihung vor einigen Wochen hat die Anlage bundesweit bekanntmacht: "Das Kloster und die Menschen hier werden mir sehr fehlen."


epd lnb jön/mig mir / 23.6.2009
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