Friedenspastor: Kirchen sollen sich gegen Rechtsextremismus einsetzen

Nachricht 20. Juni 2009

Hannover/Eschede (epd). Der Friedensbeauftrage der hannoverschen Landeskirche, Klaus Burckhardt, hat die Kirchengemeinden aufgefordert, sich stärker gegen Rechtsextremismus zu engagieren. "Wir müssen gewappnet sein und klar Stellung beziehen", sagte der evangelische Pastor am Freitag im epd-Gespräch. Neonazis nähmen die Kirchen verstärkt als Gegner wahr und als gesellschaftlichen Faktor, mit dem zu rechnen sei. So sei vor der St.-Lamberti-Kirche in Bergen in der Lüneburger Heide als Provokation ein etwa 1,80 Meter hohes brennendes Hakenkreuz aufgestellt worden.

"Wir müssen den Kampf um die Deutungshoheit ernst nehmen", sagte Burckhardt. Im Alltag machten sich zunehmend rechtsradikale Symbole breit. So feierten Neonazis um den 21. Juni herum Sonnenwendfeiern, im christlichen Festkalender sei diese Zeit jedoch mit dem Johannisfest verbunden. Der Israel-Sonntag im August, der Buß- und Bettag und der Volkstrauertag seien weitere Anlässe dafür, in den Kirchen öffentlich für den Frieden und gegen den Rechtsextremismus einzutreten. Auch Gedenkstätten seien Orte, die friedensethisch gedeutet werden müssten, statt sie den Rechtsextremen zu überlassen.

Burckhardt selbst spricht an diesem Sonnabend bei einer Andacht am "Johannisfeuer" anlässlich einer Demonstration gegen ein Treffen von Neonazis aus ganz Norddeutschland in Eschede bei Celle. Er lobte den Einsatz hannoverscher Kirchengemeinden am 1. Mai gegen Neonazis. Damals hatten sich zum Auftakt einer Demonstration rund 700 Christen in vier Kirchen zu Andachten gegen Fremdenfeindlichkeit versammelt. Das Engagement müsse aber über den Protest hinausführen, sagte Burckhardt: "Wir müssen zur Prävention kommen."

Vor Islamfurcht und Ausländerfeindlichkeit seien auch Christen nicht gefeit, warnte der Pastor. Rechtsextreme Deutemuster machten auch vor Kirchengemeinden nicht halt. In Süpplingen bei Helmstedt sei ein NPD-Mitglied lange Jahre im Kirchenvorstand gewesen. Pastoren dürften bei Geburtstagsbesuchen deshalb nicht darüber hinwegsehen, wenn dort antisemitische Witze gemacht würden oder der Nationalsozialismus verharmlost werde.

Rechtsextremisten versuchten etwa auf Schulhöfen und in Vereinen zunehmend "Leerstellen und blinde Flecken" im gesellschaftlichen Leben zu besetzen, erläuterte Burckhardt. Kirchengemeinden hätten große Chancen, dem entgegenzuwirken: "Weil wir keine Parteipolitik machen." Dabei gelte die Maxime, nicht Böses mit Bösem zu vergelten: "Wir geben keinen Menschen auf, auch den Rechtsextremisten nicht."

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epd lnb mig mir/19. Juni 2009

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