Landesbischöfin ruft Eltern zur religiösen Erziehung auf

Nachricht 19. Juni 2009

Tübingen/Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat Eltern zur religiösen Erziehung ihrer Kinder aufgefordert. "Ich bin überzeugt, Kinder brauchen Wurzeln und Religion", sagte Käßmann am Donnerstagabend in der Universität Tübingen. Zur religiösen Erziehung gehöre das Erzählen biblischer Geschichten, das Beten, das Einüben von Ritualen, das Singen von Liedern, die Orientierung an Vorbildern im Glauben, Werteerziehung und Bildung. Die Bischöfin sprach auf Einladung der Stiftung "Gottesbezug in Familien".

Als "Verlust an Gemeinschaft, Tradition und Kultur" bezeichnete Käßmann das Abreißen von gemeinsamem Erzählen. "Wir lassen und voll-lullen, ohne Geschichten zu erzählen", kritisierte sie. Kinder und Jugendliche müssten selbst Zugang zu den biblischen Geschichten finden. Denn es gehe auch um Beheimatung in der westeuropäischen Kultur. Architektur, Literatur und Kunst seien in Deutschland ohne Bibelkenntnis gar nicht zu verstehen.

"Eine Gefahr sehe ich darin, dass der Bildungsbegriff reduziert wird auf die Aneignung von Anwendungswissen", sagte die Bischöfin. Bildung sei jedoch ein umfassender Begriff, auch soziale Kompetenz gehöre dazu. Käßmann sagte, auch in der Diskussion in Kirchenkreisen habe sich die Bedeutung der frühkindlichen Bildung erst in den vergangenen Jahren niedergeschlagen.

Die Theologin kritisierte das Reformpapier der Evangelischen Kirche in Deutschland, "Kirche der Freiheit". Es enthalte viele Defizite. So werde der Begriff Bildung dort sehr eng geführt. Das spiegle aber nicht den Stand der Diskussion wider.

Für sie sei das Papier ein Vorschlag einer Gruppe, der viel Diskussion hervorgebracht habe. Die größte Frustration habe das Papier aber in der Pfarrerschaft ausgelöst. Das sei fatal. "Es gibt keine Reformprozesse ohne das Bodenpersonal."

epd lnb/lbw mir/19. Juni 2009

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