Diakonie in Niedersachsen sieht Pläne der Caritas mit Skepsis

Nachricht 12. Juni 2009

Hannover/Berlin (epd). Die Diakonie in Niedersachsen hat mit Bedauern und Skepsis auf die geplante Übernahme von fünf Altenheimen der hannoverschen Caritas durch das Berliner Evangelische Johannesstift reagiert. "Das ist ein Alarmsignal für uns alle", sagte der Direktor des Diakonischen Werkes der hannoverschen Landeskirche, Christoph Künkel, am Freitag im epd-Gespräch in Hannover. Die Entwicklung mache deutlich, dass sich gemeinnützige Träger unter den schwierigen Bedingungen auf dem Sozialmarkt in Niedersachsen kaum halten könnten.

Mit der geplanten Übernahme durch das Berliner Werk will erstmals in Deutschland ein evangelischer Sozialträger mehrere Einrichtungen der katholischen Caritas erwerben. Die fünf Heime in Hannover mit 580 Beschäftigten, 530 Bewohnern und 250 Patienten in der ambulanten Pflege hatten im vergangenen Jahr ein Defizit von 1,8 Millionen Euro eingefahren und standen kurz vor der Insolvenz. Nach den Sommerferien müssten die Beschäftigten den Übernahme-Plänen noch zustimmen.

"Als Diakonisches Werk hätten wir es begrüßt, wenn die Probleme mit einem örtlichen diakonischen Träger hätten gelöst werden können", sagte Künkel. Gegenüber dem Berliner Johannesstift habe er deutlich gemacht, dass die Organisation einen in Niedersachsen üblichen Tarif anwenden müsse, wenn einzelne Einrichtungen Mitglieder im Diakonischen Werk der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover werden wollten.

Das Johannesstift hatte angekündigt, für die Häuser in Hannover den in Berlin geltenden Tarif anzuwenden. Dieser liegt rund zehn Prozent unter den niedersächsischen Sätzen. Künkel sagte, es sei schwierig, Mitglieder in den eigenen Reihen zu haben, die erheblich niedrigere Tarife zahlten: "Wir hätten uns vorstellen können, dass die Krise der Caritas auch im Rahmen eines niedersächsischen Tarifwerkes hätte überwunden werden können, wenn die Beteiligten es gewollt hätten."

Gleichwohl bestimme die Caritas selbst, mit wem sie zusammenarbeiten wolle, betonte er. Das Johanneswerk sei ein erfahrener und anerkannter Träger der sozialen Arbeit.

epd lnb mig mil / 12.6.2009
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