Kindererziehung: Landesbischöfin wirbt für Gebete und Vorbilder

Nachricht 26. Mai 2009

Verden (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat Eltern dazu ermutigt, mit ihren Kindern zu beten. Das Gebet sei neben dem Singen ein zentrales Element religiöser Erziehung, die mit ihren Werten wiederum Halt und Orientierung gebe, sagte Käßmann am Montagabend in Verden bei Bremen. "Du kannst zu Gott beten, selbst wenn alle anderen dich zu verlassen scheinen - das zu wissen, ist für viele Kinder und Jugendliche geradezu eine Befreiung", bekräftigte die Theologin in einem Vortrag zu einer Taufausstellung im Verdener Dom.

Viele Eltern seien unsicher, wie miteinander gesungen, gebetet und Rituale eingeübt werden könnten, räumte Käßmann ein. "Für Kinder haben Rituale aber eine große Bedeutung." Sie prägten sie und ihre Erinnerung an die Kindheit auch später noch als Jugendliche. So seien Rituale besonders wichtig, wenn es darum gehe, Trauer zu bewältigen. "Kerzen anzünden, Gebete sprechen, Briefe der Erinnerung schreiben oder Blumen ins oder auf das Grab legen: das sind einige der Formen, die Kindern helfen, Abschied zu nehmen."

Nicht nur die Eltern seien wichtig, um als Vorbilder Einfluss zu nehmen. "Dabei müssen die Vorbilder nicht immer gleich Heilige sein", beruhigte Käßmann, die selbst Mutter von vier Töchtern im Alter zwischen 17 und 27 Jahren ist. Werte und die Zehn Gebote als Grundraster für ein gutes Leben könne jedoch nur vermitteln, wer selbst dazu stehe: "Ich kann nicht 'Du sollst nicht stehlen' als Gebot erläutern und dann den Bademantel aus dem Hotel mitnehmen. Und ich kann nicht von der Würde jedes Menschen sprechen und dann den Nachbarn als 'blöden Idioten' beschimpfen."

Doch niemand sei perfekt. Wer Fehltritte eingestehe, zeige Stärke. Vorbilder müssten mit ihren Schwächen und Stärken erkennbar sein, betonte die leitende Theologin und erzählte von ihrer eigenen Großmutter. "Ich erinnere mich, dass ich mit meiner Cousine einmal am Karfreitag ins Kino gehen wollte. Nichts da: 'Du sollst den Feiertag heiligen!', hieß es da. Eben dieses Gebot konnte sie allerdings auch zitieren, wenn es an ihrem Geburtstag Windbeutel mit Sahne gab."


epd lnb sel mil / 26.5.2009
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