Stellungnahme der Konföderation Evangelischer Kirchen in Niedersachsen zur geplanten Reform des Schulgesetzes

Nachricht 25. Mai 2009

Am Montag, dem 25. Mai 2009, fand im niedersächsischen Landtag eine Anhörung zur Reform des Schulgesetzes statt. Die Bevollmächtigte für Schulangelegenheiten, Oberlandeskirchenrätin Dr. Kerstin Gäfgen-Track, vertrat dabei die Position der Konföderation Evangelischer Kirchen in Niedersachsen (www.evangelische-Konfoederation.de) und bezog zu den vorgelegten Gesetzesentwürfen und Entschließungsanträgen wie folgt Stellung:

Die Konföderation hat im Sinne der Gleichbehandlung der Schulen Verständnis dafür, dass durch den Gesetzesentwurf der Fraktionen der CDU und der FDP das Abitur nach 12 Jahren zukünftig auch an allen Gesamtschulen vergeben werden soll. Dabei müssen die Gestaltungskriterien der Integrierten Gesamtschule und die darauf basierende schulische Konzeption eingehalten werden. Der Gesetzesentwurf ist ein Schritt, der zu vergleichbaren Bedingungen unter den Schulen führt, die die allgemeine Hochschulreife vergeben. Es ist weitgehend in Europa Konsens, die Hochschulreife oder einen vergleichbaren Schulabschluss nach 12 Schuljahren zu gewähren. Diesem europäischen Konsens sollten sich auch die deutschen Schulen insgesamt anschließen. Ebenso sollte über den Mittleren Bildungsabschluss nach 9 Schuljahren nachgedacht werden. Eine Alternative sieht die Konföderation in der Option, an allen Schulformen, die die Hochschulreife vergeben, diese entweder nach 12 oder nach 13 Schuljahren zu ermöglichen.

Die Konföderation hält die gebundene Ganztagsschule für die angemessene Form der Schule der Zukunft. Damit werden erstens der Pluralität familiärer Strukturen Rechnung getragen, zweitens die Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützt, drittens auch die Sozialfähigkeit der Kinder und Jugendlichen gestärkt sowie viertens insbesondere Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Milieus und mit Migrationshintergrund gefördert. Deshalb baut die Konföderation gegenwärtig die evangelischen Schulen zu gebundenen Ganztagsschulen aus.

Die Konföderation unterstützt den Gesetzesentwurf der Regierungsfraktionen, mit dem die Haupt- und Realschulen weiter profiliert werden sollen. Die Berufsorientierung der Hauptschule und die Schwerpunktbildung in der Realschule unterstützen die Bemühungen, im Sinne der Bildungsgerechtigkeit möglichst allen Schülerinnen und Schülern einen Schulabschluss zu vergeben und ihnen die Kenntnisse und Fähigkeiten für ein Ausbildungsverhältnis zu vermitteln. Die rechtzeitige Zusammenarbeit zwischen allgemeinbildender und berufsbildender Schule oder allgemeinbildender Schule und Ausbildungsbetrieb wird als der richtige Weg angesehen. Die ausreichende Vermittlung von Allgemeinbildung sowie ethischer, religiöser, kultureller, sozialer und personaler Kompetenzen ist entscheidend wichtig.

Die Konföderation befürwortet den Gesetzesentwurf der SPD-Fraktion im Blick auf die Zügigkeit von Gesamtschulen, die von den Schulträgern eigenverantwortlich entschieden werden soll. Um der Breite des inhaltlichen Angebotes willen soll eine Vierzügigkeit im Sekundarbereich I und eine Dreizügigkeit im Sekundarbereich II nicht unterschritten werden.

Gäfgen Track sagt: „Für die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen ist das Thema Bildungsgerechtigkeit zentral. Wir gehen davon aus, dass Bildungspolitik immer auch Sozialpolitik ist. Wir haben die Aufgabe, alle Schülerinnen und Schüler zu befähigen, ihr eigenes Leben gelingend zu gestalten sowie aktiv und verantwortlich am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Wir müssen dafür sorgen, dass sie nicht nur genug wissen und können, sondern auch in religiösen, kulturellen, sozialen und personalen Lebensfragen kompetent werden. Wir setzen uns dafür ein, dass die Chancengleichheit gewahrt bleibt, die Schulformen durchlässig bleiben, allen Schülerinnen und Schülern ein Abschluss ermöglicht wird und die Klassen eine vernünftige Größe haben.“

Hannover, 25. Mai 2008
Pressestelle der Konföderation
Dr. Johannes Neukirch, Pressesprecher