Kirchentag: Berichte - Teil 4

Nachricht 23. Mai 2009

Käßmann: Christen sollten offener über ihren Glauben reden


Bremen/Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die Christen ermutigt, offener über ihren Glauben zu reden. "Über alles und jedes wird gesprochen, aber nicht über den eigenen Glauben", sagte sie am Sonnabend beim evangelischen Kirchentag in Bremen in einem Forum über Spiritualität: "Wir sollten neu lernen, von unserer eigenen Sache zu reden." Dazu gehöre die Überzeugung, dass Gott die Welt geschaffen habe, dass sie Gott gehöre und die Menschen seine Haushalter seien.



"Viele Christinnen und Christen sind darüber stumm geworden", sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland laut Manuskript. Nötig sei eine Sprache ohne festgefügte Formeln, die Glauben und Vernunft zusammenbringe. "Vielleicht ist die schönste Sprache des Glaubens die Poesie", so Käßmann. Poetische Texte der Bibel von den Psalmen bis zum "hohen Lied der Liebe" in den Paulusbriefen hätten die Herzen der Menschen immer besonders berührt.



Maßstab für eine Sprache des Glaubens sei die Bibel. "Jesus Christus begegnen wir nicht plötzlich irgendwo auf einem Waldweg", betonte Käßmann. Aus der Bibel erhielten Christen die Kriterien, um unterscheiden zu lernen, was möglich und was nicht integrierbar sei: "Wer einfach schlicht alles eins sein lassen will, weicht nur den notwendigen Grenzziehungen aus."



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Ein bisschen Frieden - Megathema früherer Jahrzehnte findet beim Kirchentag in Bremen nur am Rande statt



Von Dieter Sell (epd)



Bremen (epd). Bundesverteidigungsminister Hans Apel (SPD) wurde 1981 auf dem evangelischen Kirchentag in Hamburg noch mit Eiern beworfen. Beim Bremer Protestantenreffen, das am Sonntag zu Ende geht, wäre das undenkbar. Die Bundeswehr macht vor einem jubelnden Publikum mit ihrer Big Band Musik und wirbt nebenher für eine Karriere beim Militär. Und unter den rund 2.500 Veranstaltungen gibt es nur selten große Diskussionsrunden zu explizit friedensethischen Fragen. Das Megathema früherer Jahrzehnte findet beim Kirchentag in Bremen nur am Rande statt.



Das sei aus organisatorischen Gründen so beschlossen worden, sagt der leitende Theologe der gastgebenden Bremischen Evangelischen Kirche, Renke Brahms. Diesmal stünden Fragen zur globalen Finanzkrise und zum Klimawandel im Vordergrund. "Das soll sich beim ökumenischen Kirchentag nächstes Jahr in München und vor allem 2011 beim evangelischen Kirchentag in Dresden ändern", kündigt Brahms an, der auch Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist.



Trotzdem: Vor allem bei den friedensbewegten älteren Kirchentagsgängern hat nicht nur der Auftritt der Bundeswehr-Big-Band Unbehagen ausgelöst. Dass die Friedenspolitik so wenig im Mittelpunkt steht, wertet Clemens Ronnefeldt vom Internationalen Versöhnungsbund als Alarmzeichen. "Friedenspolitisch ist der Bremer Kirchentag eine große Enttäuschung", lautet seine Bilanz. So vermisse er beispielsweise eine Diskussion über die Rolle Bremens als wichtigen Standort für die Rüstungsindustrie in Deutschland.



Das Wort "Frieden" wurde bei Kirchentagen in Ost und West erstmals 1967 in Losungen aufgegriffen. Beim regionalen Kirchentag in Stralsund hieß es damals "Gott schafft Frieden", in Hannover im selben Jahr "Der Frieden ist unter uns". Die niedersächsische Landeshauptstadt ging in die bundesdeutsche Geschichte ein als Geburtsstunde der Formel vom "Friedensdienst mit und ohne Waffen".



Ein Jahr nach Hannover gründete sich die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden, die in Bremen gemeinsam mit der Militärseelsorge ein Podium zu Afghanistan organisierte. Alle Kirchentage der 80er Jahre im Westen beschäftigten sich angesichts einer wachsenden Konfrontation im West-Ost-Verhältnis und der Stationierung US-amerikanischer Atomraketen in eigenen Themenbereichen mit der Friedensfrage.



Die Angst vor einem globalen Atomkrieg trieb während des Hamburger Kirchentages 1981 etwa 100.000 Teilnehmende auf die Straße. Im kreativen Ungehorsam wandelten sie die damalige Kirchentagslosung "Fürchtet Euch nicht" um. Ihr Motto lautete "Fürchtet Euch - der Atomtod bedroht uns alle". Im Verlauf des Kirchentages 1983 in Hannover organisierten christliche Friedensgruppen eine Kundgebung mit 80.000 Teilnehmenden. Der ehemalige Kirchentagspräsident Klaus von Bismarck rief ihnen zu: "Wir halten ihr Bekenntnis für eine notwendige Unruhe."



Optisch bestimmten lila Halstücher das hannoversche Protestantentreffen, auf denen zu lesen war "Die Zeit ist da für ein Nein ohne jedes Ja zu Massenvernichtungswaffen". 1985 in Düsseldorf rief Carl Friedrich von Weizsäcker zum "Konzil des Friedens" auf. Immer mehr Jugendliche zog es zum Kirchentag, der aufgewühlte politische Debatten erlebte. In Bremen demonstrierten am Sonnabend lediglich 500 Kirchentagsbesucher für den Frieden.



Für Johannes Weissinger, Pfarrer aus Südwestfalen und beim Bremer Kirchentag auf dem Markt der Möglichkeiten friedenspolitisch engagiert, hat sich der Wind in der Kirchentags-Bewegung über die Jahre gedreht. Er kann sich auch noch gut an die Eierwürfe auf Apel und an die lila Halstücher erinnern und bilanziert: "Heute sind wir bei einem Ja ohne jedes Nein." Militärseelsorge-Sprecher Walter Linkmann meint, die Zeit der "wilden Kämpfe" sei vorbei. "Früher gehörte es zur Folklore jedes Kirchentages, dass die Initiative 'Bundesrepublik ohne Armee' einen Sarg auf unserem Stand ablieferte. Das gibt es nicht mehr."



Der Kasseler Sozialwissenschaftler Peter Strutynski vom Bundesausschuss Friedensratschlag warnt allerdings vor pauschaler Kirchenschelte. Das politische Klima in der Gesellschaft bestimme die Diskussion in den Kirchen. "Und hier müssen wir nüchtern feststellen, dass es mit der Besetzung friedenspolitischer Themen zur Zeit nicht gerade gut bestellt ist." Die Generalsekretärin des Kirchentages, Ellen Ueberschär, gewinnt der neuen Offenheit positive Seiten ab: "Die Zeiten der massiven Kritik, die nicht zuhört, sind vorbei. Die Bereitschaft, sich auf Diskussionen einzulassen, ist auf beiden Seiten gewachsen."



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Aufwallende Emotionen - Mögliche Rationierungen im Gesundheitswesen sind auch Thema beim Kirchentag



Von Dirk Baas (epd)



Bremen (epd). Steht der uneingeschränkte Zugang zur Behandlung von Patienten in naher Zukunft auf der Kippe? Zwingt die Finanznot der Krankenkassen zur Rationierung von Gesundheitsleistungen wie zuletzt von Ärztefunktionären gefordert? Antworten auf diese Frage suchte auch der evangelische Kirchentag in Bremen. "Medizin bei knappen Kassen. Wie begrenzen wir medizinische Leistungen?", hieß es provokativ. Am besten gar nicht, lautete zwar der Wunsch aller Podiumsteilnehmer. Doch ob es überhaupt dazu kommen muss, blieb offen. Noch sei die bundesdeutsche Situation nicht dramatisch, sagte der Sozialmediziner Heiner Raspe aus Lübeck: "Wir sitzen nicht in einem leckgeschlagenen Rettungsboot, das zu sinken droht."



Raspe sprach "von aufwallenden Emotionen", die die Debatte über Rationierung im Gesundheitswesen ausgelöst habe. "Wer diese Forderung ausspreche, "der hat schon verloren". Der Professor bemühte sich, die Debatte zu versachlichen. Er berichtete von positiven Erfahrungen aus Schweden. Dort habe es eine Parlamentskommission in den 90er Jahren geschafft, eine Rangfolge für medizinische Behandlungen zu fixieren. "Diese Priorisierungsleitlinien wurden von nur 60 Personen festgelegt. An diesem Prozess waren Politiker kaum und Juristen gar nicht beteiligt", berichtete Raspe unter dem Beifall der Zuhörer. Das Ergebnis sei eine Rangfolge in den Stufen von eins bis zehn. Eingriffe und Therapien der ersten Stufe müssten demnach sofort erfolgen, die der hinteren Stufen sei nicht zwingend, sondern nur wünschenswert.



Raspe stellte die Frage, ob das Modell Schweden nicht als Beispiel dienen könne: "Wenn in Deutschland Rationierungen nötig werden, dann sind Priorisierungslisten ein Königsweg." Das Modell habe zu mehr Qualität und Transparenz geführt und sei von der Bevölkerung akzeptiert.



Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, sprach sich klar gegen die Rationierung von Leistungen aus. Bevor darüber diskutiert werde, müssten zuvor alle Effektivitätsreserven mobilisiert werden, sagte Huber und nannte als Beispiel unnötige Ausgaben für Doppeluntersuchungen. Laut Huber müsse an der "solidarischen Gemeinschaftsaufgabe" der Kassenversorgung festgehalten werden. Er brach eine Lanze für eine gerechte und für jedermann zugängliche medizinische Versorgung. Schon heute bestehende Gerechtigkeitslücken müssten geschlossen werden.



Stefan Etgeton, Patientenvertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss in Berlin, sprach von einer "lancierten Debatte der Leistungserbringer". Die Krankenkassen verfolgten das Ziel, Angst bei den Patienten zu erzeugen und so den Druck zu erhöhen, dass mehr Geld ins Gesundheitswesen fließt. Auch Etgeton warb für mehr Eigenverantwortung der Patienten. Dass es zu Veränderungen im System kommen müsse, liegt für ihn auf der Hand. "Sind die Patienten bereit, weite Wege in spezialisierte Behandlungszentren in Kauf zu nehmen? Wie wichtig ist der Bevölkerung die freie Arztwahl? Auf all diese Fragen haben wir keine Antworten", sagte der Verbraucherschützer.



"Die Zusammenarbeit der Ärzte muss besser und effektiver werden", forderte Jeanne Nicklas-Faust, Medizinerin und Professorin an der Evangelischen Fachhochschule Berlin. Auch sie bekannte, dass es massive Ungerechtigkeiten im bestehenden und bereits von Sparzwängen geprägten Gesundheitssystem gibt.



Sie berichtete von einem Fall, in dem ein geistig behindertes Kind wegen massiver Nebenwirkungen von Medikamenten auf ein anderes Präparat umgestellt werden musste. Dazu wollten die Krankenkassen nur eine sechstägige stationäre Behandlung bezahlen. In ganz München wollte deshalb keine Klinik die Behandlung übernehmen. "Alle Krankenhäuser gaben an, dass dazu ein vierwöchiger Aufenthalt nötig ist", sagte die stellvertretende Bundesvorsitzende der Lebenshilfe. Diese Konflikte brächten viele Ärzte in Nöte, weil sie "heilen und helfen" wollten. Problematisch sei die Situation schon heute für chronisch Kranke, behinderte Menschen und sozial Schwache: "Sie alle sind bereits strukturell benachteiligt."



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Weiter Streit um gemeinsames Abendmahl - Erzbischof Zollitsch mahnt auf Kirchentag zu Geduld - Protestanten drängen auf Ende der Trennung



Bremen (epd). Der Streit um das gemeinsame Abendmahl hat sich auf dem 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Bremen fortgesetzt. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, mahnte am Sonnabend zur Geduld. Er wisse, dass es besonders für evangelisch-katholische Paare schmerzlich sei, wenn sie nicht zusammen zur katholischen Eucharistie gehen können, sagte er in einer Gesprächsrunde zum Zweiten Ökumenischen Kirchentag 2010 in München: "Wir müssen den Mut haben, diese Spannung durchzuhalten." Protestantische Theologen drängten unterdessen auf ein Ende der Trennung beim Abendmahl.



Das Problem werde auch in Rom gesehen, sagte der Freiburger Erzbischof. Der Vatikan müsse seine Entscheidungen aber für eine Weltkirche treffen: Ein Schnellschuss würde nur schaden. Er selbst werde sich nicht auf Dinge einlassen, von denen er fürchten müsse, dass sie scheitern könnten. Gleichwohl dürften Christen und Theologen nicht nachlassen, dieses Anliegen zu verfolgen.



Auch der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Johannes Friedrich aus München, warnte vor überhasteten Lösungsversuchen. "Dieses schwierige Thema werden wir nicht in den nächsten zwei oder fünf Jahren lösen können", sagte er. Ökumene bedeute zuerst zu akzeptieren, dass andere Menschen anders glauben. "Ich will den Papst nicht evangelisch machen", sagte Friedrich.



Der Hamburger Theologe Fulbert Steffensky rief die Kirchentagsbesucher in Bremen dagegen zu einem gemeinsamen Abendmahl von Protestanten und Katholiken auf. "Wir können nicht darauf warten, bis die letzten fußkranken Mitglieder von Kirchenleitungen angekommen sind und das Mahl für erlaubt halten", sagte er. Es gebe nicht nur die Tugend des Gehorsams, sondern auch die Tugend des Ungehorsams. Da beim Kirchentag in Bremen kein gemeinsames Abendmahl geplant sei, ruhten seine Hoffnungen auf dem Ökumenischen Kirchentag 2010, sagte Steffensky. Seine Zuhörer rief er auf, in München an Orte des gemeinsamen Mahls zu gehen. Das Argument der Leitungen beider Kirchen, man sei noch nicht so weit, sei "ewig falsch".



Vom 12. bis 16. Mai 2010 findet in München der Zweite Ökumenische Kirchentag unter dem Motto "Damit ihr Hoffung habt" statt. Der evangelische Präsident des Christentreffens, Eckhard Nagel, sagte in Bremen, er erwarte erkennbare Symbole für die fortschreitende Ökumene zwischen Protestanten und Katholiken. Den angekündigten Boykott des Münchner Kirchentages durch den Wittenberger Theologen Friedrich Schorlemmer, sollte es dort kein gemeinsames Abendmahl von Protestanten und Katholiken geben, bezeichnete Nagel als "völlig bescheuert". Ohne gemeinsame Gespräche könne es keine Weiterentwicklung in der Ökumene geben. Es gehe um Symbole. "Es muss nicht gleich das Abendmahl sein", betonte der Mediziner.



Der Catholica-Beauftragte der deutschen Lutheraner, der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber, drängte auf ein gemeinsames Abendmahl zumindest für konfessionsverschiedene Ehepaare. "Ich erwarte, dass wir in dieser Frage weiterkommen", sagte er dem epd: "Das ist keine Frage der Geduld mehr, sondern des konkreten Wollens." Liturgische Experten sollten sich spätestens zum Ökumenischen Kirchentag 2010 zusammensetzen und ein praktisches Modell entwerfen: "Der Kirchentag ist auch ein Experimentierfeld."



Auf dem Ersten Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin war es wegen des Abendmahls zum Konflikt gekommen. Außerhalb des offiziellen Programms gab es ökumenische Gottesdienste, in denen ausdrücklich zur gegenseitigen Gastfreundschaft bei Eucharistie und Abendmahl eingeladen wurde. Wegen seiner aktiven Teilnahme daran verlor der Saarbrücker katholische Theologieprofessor und katholische Priester Gotthold Hasenhüttl die kirchliche Lehr-Erlaubnis. Wegen seiner Teilnahme wurde auch der katholische Priester Bernhard Kroll diszipliniert.



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Kirchentag auf der "Suche nach Auswegen" - Wirtschafts- und Finanzkrise prägte das Bremer Protestantentreffen



Bremen (epd). Der Ruf nach Konsequenzen aus der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise hat aus Sicht der Organisatoren den 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Bremen geprägt. Das fünftägige Christentreffen habe die große Bereitschaft in der Gesellschaft deutlich gemacht, Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft zu gestalten, sagte Kirchentags-Präsidentin Karin von Welck am Sonnabend. Nun müsse es darum gehen, diese Bereitschaft in Taten umzusetzen.



"Es war kein kämpferischer Kirchentag, sondern ein Kirchentag der gemeinsamen Suche nach Auswegen", bilanzierte Kirchentags-Generalsekretärin Ellen Ueberschär am vorletzten Tag des Treffens. Die Auftritte der Spitzenpolitiker hätten eine "neue Nachdenklichkeit in der Politik" offenbart. Dies deute darauf hin, dass die "Chancen des Umbruchs" genutzt werden können.



Der leitende Bremer Theologe Renke Brahms sagte, die Debatte über international gültige Regeln habe durch das Protestantentreffen in Bremen "einen kräftigen Impuls bekommen". Es gehe aber auch um eine gerechte Weltwirtschaftsordnung, betonte der Repräsentant der gastgebenden Landeskirche in einem Gespräch mit dem epd. Die Situation der Entwicklungsländer habe sich wie ein roter Faden durch viele Veranstaltungen gezogen: "Die, die durch den Zusammenbruch der Finanzmärkte am meisten leiden, sind die armen Länder. Sie sind aber nicht die Verursacher der Krise." Gerechte Teilhabe weltweit bedeute für den Kirchentag nicht unbedingt eine Erhöhung des Lebensstandards der reichen Länder. "Vielleicht kommt bei uns dann weniger an", sagte Brahms.



Kirchentags-Präsidentin Welck nannte als weiteren Schwerpunkt des Kirchentags Veranstaltungen zu Glaubensfragen und speziell zum Dialog der Religionen. "Wir müssen die Zukunft gemeinsam gestalten, und zwar gemeinsam mit den Muslimen, die in Deutschland leben und mit denen wir uns auf gemeinsame Werte verständigen müssen", sagte die parteilose Hamburger Kultursenatorin. Ein drittes zentrales Thema des Kirchentages sei die Debatte um Bildungsgerechtigkeit gewesen. In der Zukunft müsse es auch darum gehen, wie die Kirche mit ihrer Verantwortung als wichtige kulturpolitische Kraft umgeht.



Im nächsten Jahr findet vom 12. bis 16. Mai in München der Zweite Ökumenische Kirchentag statt. Er hat das Motto "Damit ihr Hoffung habt". Der evangelische Präsident des Ökumene-Treffens, Eckhard Nagel, sagte in Bremen, er erwarte von dem kommenden Kirchentag erkennbare Symbole für die fortschreitende Ökumene zwischen Protestanten und Katholiken.



Den angekündigten Boykott des Münchner Kirchentages durch den Wittenberger Theologen Friedrich Schorlemmer, falls es dort kein gemeinsames Abendmahl von Protestanten und Katholiken geben sollte, bezeichnete Nagel als "völlig bescheuert". Ohne gemeinsame Gespräche könne es keine Weiterentwicklung in den Ökumene geben.



Am Bremer Kirchentag unter der Losung "Mensch, wo bist du?" beteiligten sich nach aktuellem Stand 99.500 Dauerteilnehmer. Er endet am Sonntag mit einem Schlussgottesdienst auf der Bremer Bürgerweide.



Besondere Resonanz auf dem Kirchentag erzielten die Auftritte von Spitzenpolitikern wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und der SPD-Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin, Gesine Schwan. Auch Altkanzler Helmut Schmidt (SPD), der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker und der finnische Ex-Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger Martti Ahtisaari besuchten den Kirchentag. Der am Sonnabend wiedergewählte Bundespräsident Horst Köhler hatte am Mittwochabend zur Eröffnung gesprochen.



Auch auf dem evangelischen Kirchentag verfolgten die Menschen den Ausgang der Wahl in Berlin. An mehreren Veranstaltungsorten waren Fernseher aufgebaut, vor denen sich Menschentrauben bildeten. Als das Ergebnis auf dem Markplatz der Hansestadt verkündet wurde, brandete Beifall auf.



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