Landesbischöfin Käßmann und Ministerpräsident Wulff weihen Klosterstätte Ihlow bei Aurich ein

Nachricht 10. Mai 2009

Ihlow/Kr. Aurich (epd). Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann und der katholische Bischof von Osnabrück, Franz-Josef Bode, haben am Sonntag die Klosterstätte Ihlow bei Aurich eingeweiht. Die bundesweit einmalige Holz-Stahl-Konstruktion zeichnet in Originalgröße die ehemalige Kirche des 1529 zerstörten Zisterzienser-Klosters "Schola Dei - Schule Gottes" nach. Gefördert wird das drei Millionen-Euro-Projekt von zahlreichen staatlichen, kirchlichen und privaten Einrichtungen und Stiftungen.

Die begehbare Konstruktion verfügt über eine Aussichtsplattform in rund 40 Metern Höhe und einen unter dem ehemaligen Chor gelegenen "Raum der Spurensuche". Hier befinden sich eine archäologische Ausstellung und ein "Glaubensraum" für Gottesdienste. Wulff würdigte die Anlage. Nach drei Jahren Bauzeit sei es gelungen, "diese erloschene Welt der Zisterzienser in Ihlow wieder erlebbar zu machen". Die Prinzipien der mittelalterlichen Mönche für eine nachhaltige Nutzung der Umwelt habe heute mehr denn je wieder an Aktualität gewonnen. "Vielleicht eröffnen sich an diesem Ort dadurch auch neue Glaubenserfahrungen und Erkenntnisse im Umgang mit der Schöpfung", sagte der Katholik.

Bischöfin Käßmann schlug in ihrer Einweihungspredigt einen Bogen von den Zisterziensern bis in die Gegenwart. Die Klosterstätte stehe auf einem Grund, auf dem schon vor fast 800 Jahren Menschen gesungen und gebetet haben. "Wir fangen mit dem Glauben nicht jetzt und heute neu an, wir stehen in einer Tradition unserer Väter und Mütter im Glauben", sagte die Theologin.

"Mich bedrückt, wenn Glaube zum reflektierten intellektuellen Erbe wird und nicht zum Evangelium, das die Armen selbst als frohe Botschaft wahrnehmen", sagte Käßmann. Der Glaube dürfe nicht mit einem "Beruhigungsmittel" verwechselt werden. "Es geht um eine innere Ruhe, eine innere Balance, mit der ich in der Lage bin, den Lasten des Lebens zu begegnen."

Das Kloster wurde 1228 als Tochterkloster des Klosters Aduard bei Groningen gebaut und während der Reformationszeit 1529 wieder aufgegeben. In dieser Zeit war es eines der bedeutendsten Klöster in Nordwestdeutschland und besaß die größte Klosterkirche zwischen Bremen und dem niederländischen Groningen. Anschließend ließ Graf Balthasar von Esens die Kirche untergraben und einstürzen, um die Ziegel für den Bau eines Jagdschlosses verwenden zu können.

Vor einigen Wochen weihte der lutherische Landessuperintendent Detlef Klahr, bereits einen Altar im "Raum der Spurensuche" ein. Träger des Projektes ist ein Förderverein in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Ihlow und dem evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Aurich.

Internet: www.kloster-ihlow.de

epd-lnb jön mil/10.5.2009

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