Ursula von der Leyen fordert bessere Chancen für arme Kinder

Nachricht 01. Mai 2009

Gifhorn. Familienministerin Ursula von der Leyen war in der St. Nicolai-Kirche in Gifhorn zu Gast. Die Stiftung „Zeit-Stiften“ des Kirchenkreises Gifhorn und die katholische Pfarrgemeinde St. Altfrid Gifhorn hatten sie eingeladen. Sie sprach zum Thema „Arme Eltern – arme Kinder?“. Über 400 Besucher waren gekommen.

Die Ministerin dankte beiden Kirchen für die gute Zusammenarbeit. „Ich habe im letzten Jahr gemeinsam mit den Kirchen für eine Erhöhung des Kindergeldes gekämpft“, betonte sie. Weitere Anstrengungen seien nötig. „Wir müssen uns weiter gegen Kinderarmut einsetzen“, forderte sie. Armut werde – genauso wie Reichtum – in der deutschen Gesellschaft weitervererbt. Gegen diese Weitervererbung der Armut müssten alle gesellschaftlichen Gruppen etwas tun. Dazu sei auch bürgerschaftliches Engagement gefragt.
 
Die CDU-Ministerin betonte, dass nicht Kinder arm machten. Kinder leben in Armut, wenn die Eltern keine Arbeit haben. Vor diesem Hintergrund sprach sich von der Leyen abermals für mehr Kinderkrippen und Ganztagsschulen aus. Die Gelder dafür stünden bereit und müssten nun von den Kommunen in Berlin abgerufen werden. Das Armutsrisiko für Kinder sei besonders hoch in Alleinerziehenden-Haushalten, in Familien mit Migrationshintergrund und in kinderreichen Familien.
 
Die Ministerin forderte ein kinderfreundliches Deutschland; im Blick darauf habe die gesamte Gesellschaft viel versäumt in den letzten 20-30 Jahren. Andere europäische Länder hätten hier schon mehr erreicht.
 
Als Diskussionspartner stand Prof. Dr. Hanns-Stephan Haas von der evangelischen Stiftung Alsterdorf/ Hamburg auf dem Podium. Er verdeutlichte die kirchliche Sicht. „Armut von Kindern ist skandalös und gegen das Evangelium. Der Staat darf nicht aus der Verantwortung gelassen werden“, forderte er. Die Erhöhung des Arbeitslosengeldes oder das Einführen eines Sozialtickets für den Öffentlichen Nahverkehr seien Wege aus dieser Negativspirale der Armut. 
 
Der Vorsitzende der Stiftung „Zeit-Stiften“, Ernst von Lüneburg, berichtete in der Begrüßung über konkrete Projekte für Gifhorn. „Es sollen mehr ehrenamtliche Lesehelfer in die Grundschulen gehen. Kinder in Gifhorn sollen soviel Lesekompetenz wie möglich erwerben.“ Die Stiftung „Zeit-Stiften“ unterstützt dieses Projekt durch die Ausbildung ehrenamtlicher Lesehelfer. Daneben fördert die 2003 gegründete Stiftung zahlreiche diakonische Projekte im Kirchenkreis Gifhorn.

Stephan Eimterbäumer