Rund 20.000 Menschen demonstrieren in Hannover gegen Rechtsextremismus

Nachricht 01. Mai 2009

Hannover (epd). Rund 20.000 Menschen haben am 1. Mai in Hannover friedlich gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit demonstriert. Die Polizei sprach von 12.000 Teilnehmern, die Veranstalter von 25.000. "Das ist ein deutliches und ansteckendes Signal", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bei einer Kundgebung. Hannover und Niedersachsen positionierten sich damit klar gegen Rassismus. Anlässlich des Mai-Feiertags erinnerte Wulff zugleich die Unternehmen an ihre Verantwortung für ihre Beschäftigten und für ihren Standort. Die Demonstration war mit der traditionellen Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes verbunden.

Der stellvertretende evangelisch-lutherische Stadtsuperintendent Thomas Höflich rief dazu auf, Neonazis die "Rote Karte" zu zeigen. Zahlreiche Demonstranten hoben daraufhin vorbereitete rote Zettel in die Höhe. "Wir müssen zusammenstehen, wenn der braune Ungeist sein Haupt erhebt", sagte Höflich. Der Protest gegen den Rechtsextremismus komme aus dem Kern des christlichen Glaubens: "Wer einen oder eine von uns ausgrenzt, der grenzt alle aus und der grenzt Gott aus."
 
Erstmals in Deutschland protestierten auch Juden und Palästinenser aus Hannover Seite an Seite gegen Antisemitismus. "Uns eint das Eintreten für eine demokratische Gesellschaft, und wir treten gemeinsam auf gegen die aus dem Neonazismus wachsenden Gefahren", erklärten sie. Blau-weiße Flaggen Israels wehten bei der Demonstration direkt neben den grün-weiß-roten Fahnen der Palästinenser.
 
Anlass waren Pläne von Rechtsextremisten zu einem Aufmarsch mit mehr als 1.000 Teilnehmern am Mai-Feiertag in Hannover. Dieser war jedoch von Polizei und Justiz mit dem Hinweis auf drohende Gewalt untersagt worden. Um Ausschreitungen von Neonazis zu verhindern, waren in ganz Niedersachsen rund 3.000 Polizisten im Einsatz. Die Lage in Hannover blieb jedoch friedlich, sagte ein Polizeisprecher.
 
Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) betonte, in der Stadt sei kein Platz für alte oder neue Nazis: "Hier bekommen Rechtsradikale und Faschisten keinen Zentimeter, wir sind bis auf die Knochen demokratisch." Gerade in Zeiten der Krise witterten die Feinde der Demokratie jedoch Morgenluft. Deshalb gelte es, am 1. Mai und allen anderen Tagen die Demokratie zu beschützen.
 
Der regionale DGB-Chef Sebastian Wertmüller, der die Demonstration maßgeblich mit vorbereitet hatte, sprach von einer "sagenhaften Solidarität in unserer Stadt" gegen Neonazis. Zugleich forderte er angesichts der Wirtschaftskrise klare Regeln für die soziale Marktwirtschaft.
 
Michael Vassiliades vom Vorstand der IG Bau, Chemie, Energie übte in seiner Rede zum "Tag der Arbeit" massive Kritik an der "Hatz nach Rendite und Profit", die an den Rand des wirtschaftlichen Kollaps geführt habe. Der "Gier-Kapitalismus" dürfe keine Chance mehr haben. Im Blick auf die Rechtsradikalen sagte Vassiliades, Hannover habe gezeigt, dass die Feinde der Demokratie hier kein Bein auf die Erde bekommen könnten.
 
Die Teilnehmer der Demonstration waren am Vormittag in drei Sternmärschen zum Ort der Kundgebung gezogen. Bereits am Morgen hatten sich etwa 700 Christinnen und Christen zu vier ökumenischen Andachten versammelt, um gegen Rechtsextremismus und Gewalt zu protestieren. Erstmals hatten Protestanten, Katholiken und Orthodoxe zu gemeinsamen Feiern am "Internationalen Tag der Arbeit" eingeladen. "Wir wollen in untereren Städten und erstrechtt in unserer Kirche mit Neonazis nichts zu tun haben", sagte der evangelische Superintendent Christian Sudermann: "Sie haben hier nichts zu suchen und nichts zu finden!"

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