Familien brauchen mehr Unterstützung

Nachricht 30. April 2009

Leitender Bischof der VELKD eröffnet Tagung der Generalsynode

Mehr Verständnis für die Bedürfnisse von Familien hat der Leitenden Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), gefordert. Die Wirklichkeit vieler Familien sei gegenwärtig von der Spannung geprägt, die sich zwischen Berufstätigkeit der erziehenden Eltern und der Fürsorge für das Kind ergebe. Vorwürfe und Verweise auf frühere Zeiten seien nicht sinnvoll. „Hier muss den Familien Hilfe angeboten werden, die sie instand setzt, eigenverantwortlich Regelungen zu finden“, sagte der Leitende Bischof vor den fünfzig Mitgliedern der Generalsynode der VELKD, die sich in Würzburg zu ihrer ersten Tagung der neuen Legislaturperiode konstituiert hat. Mit ihren Kindertagesstätten leiste die Kirche dazu einen „wichtigen Beitrag“. Die Familien hätten auch für das Entstehen und Wachsen des christlichen Glaubens ein kaum zu überschätzende Rolle. „Mit der religiösen Erziehung leisten wir einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft“, Johannes Friedrich wörtlich. Je schwerer es den Familien falle, diese Aufgabe zu erfüllen, desto wichtiger sei es, dass die Kindertagesstäten auf diesem Feld Kompetenzen entwickelten.

Erstmals sind in Würzburg die Tagungen der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Generalsynode der VELKD und der Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK) in Raum und Zeit verbunden. Der Grund hierfür ist das Verbindungsmodell, das am 1. Januar 2007 in Kraft getreten ist. Es vernetzt die Aktivitäten der gliedkirchlichen Zusammenschlüsse EKD, UEK und VELKD mit ihren unterschiedlichen Zuständigkeiten und Schwerpunktsetzungen in engerer Weise als bisher. Wichtigste praktische Neuerung ist, dass fast alle Synodalen gleichzeitig neben ihrem Amt als Synodale der EKD ebenfalls Mitglied der Generalsynode der VELKD oder Mitglied der Vollkonferenz der UEK sind, je nachdem, ob ihre Gliedkirche der VELKD oder der UEK angehört. Heute beginnt die Generalsynode der VELKD mit ihren Beratungen, am 1. Mai tritt die Vollkonferenz der UEK hinzu. Am 2. und 3. Mai findet dann die konstituierende Tagung der Synode der EKD statt.
 
Zu den Aufgaben der VELKD sagte der Leitende Bischof, dass sie sich auch in Zukunft unter anderem der Profilierung des Gottesdienstes und der Unterstützung gemeindepädagogischer Arbeit sowie der theologischen Fortbildung der Pfarrerschaft, aber auch von Nichttheologen durch das Gemeindekolleg in Neudietendorf bei Erfurt, das Theologische Studienseminar in Pullach bei München und das Liturgiewissenschaftliche Institut in Leipzig widmen wolle. Wo es um inhaltlich bestimmte Hilfen für die unmittelbare Gemeindearbeit gehe, spiele die Gemeinsamkeit im Bekenntnis eine wichtige Rolle. Niemand könne für sich in Anspruch nehmen, den christlichen Glauben insgesamt zu repräsentieren. „Wir vertreten immer nur einen bestimmten ,Dialekt‘, eine mögliche Sprache innerhalb einer größeren Vielfalt“, so Johannes Friedrich. „Die lutherische Denk- und Sichtweise ist unsere Muttersprache; wir pflegen sie nicht aus Nostalgie oder Abgrenzungsbedürfnis, jedenfalls ist das nicht der Sinn, sondern weil sie unser Identitätsraum ist, von dem aus wir einen Zugang auch zu anderen Denk- und Sichtweisen des christlichen Glaubens finden.“ Das Verbindungsmodell biete die Gelegenheit, diese Prägung mit anders akzentuierten Aufgaben auf der Ebene von EKD und VELKD konstruktiv zu verbinden. Dieses Modell, das die Synodalen der VELKD zugleich zu Synodalen der EKD mache, wolle nicht unterschiedliche Akzentsetzungen nivellierend verschmelzen, sondern die unterschiedlichen Perspektiven füreinander fruchtbar machen. Das Verbindungsmodell mute den Synodalen die höchst anspruchsvolle Aufgabe zu, nicht nur für eine der beiden Perspektiven einzutreten, sondern für beide. Davon, dass dies gelinge, hänge das Gelingen des Verbindungsmodells ab. Nicht das Streben nach unterschiedsloser organisatorischer Einheit, sondern der konstruktive und fruchtbare Umgang mit inneren Differenzierungen sei ein Markenzeichen reformatorischen Christentums. „Wir machen uns mit dieser Synode auf den gemeinsamen Weg, die Lebenswirklichkeit ins Licht des Evangeliums zu stellen und die Kräfte des Evangeliums zu fördern.“
 
Hinweis: Der Bericht des Leitenden Bischofs kann im Internet unter http://www.velkd.de/downloads/Bericht_Leitender_Bischof_2009.pdf herunter geladen werden.


Donnerstag, 30. April 2009
Udo Hahn
Pressesprecher der VELKD