Debatte über Kirchen-Zusammenschluss: Reformierte zurückhaltend

Nachricht 25. April 2009

Emden (epd). Die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche hat zurückhaltend auf einen möglichen Zusammenschluss der fünf evangelischen Kirchen in Niedersachsen zu einer gemeinsamen Kirche reagiert. Gleichwohl beschloss das Kirchenparlament am Freitag in Emden, dass sich die Reformierten an weiteren Gesprächen in der Konföderationssynode beteiligen wollen. Zunächst werden jedoch die 142 reformierten Gemeinden zwischen Ostfriesland und dem Allgäu über eine eventuelle Neuordnung der Kirchenlandschaft diskutieren. Bis zur Frühjahrssynode 2010 soll das Ergebnis vorliegen.



Der Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber hatte bei der Konföderationssynode im März eine Diskussion über einen Zusammenschluss angeregt. Der 1971 gegründeten Konföderation gehören neben der reformierten Kirche auch die lutherischen Kirchen von Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Schaumburg-Lippe an. Bis zum 1. September soll jedes Kirchenparlament sein Votum zu Verhandlungen über einen Zusammenschluss abgeben. Danach will die Konföderationssynode einen Reformausschuss bilden, um ein Konzept für eine niedersächsische Kirche zu erarbeiten.



Kirchenpräsident Jann Schmidt sagte in Emden, der reformierte Kirchenvater Johannes Calvin (1509-1564) habe stets zur Einheit der Kirche aufgerufen. In der einen universalen Kirche könne es nach Calvin aber auch regionale Teilkirchen mit einem eigenen Profil geben. Diese Kirchen hätten ein volles Existenzrecht. Schmidt rief dazu auf, den Dialog zwischen den Reformierten und den Lutheranern wieder zu intensivieren. Die innerprotestantische Ökumene sei in den vergangenen 25 Jahren vernachlässigt worden: "Hier gibt es Nachholbedarf."





Aktuelles Stichwort: Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen



Hannover (epd). Die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen entstand 1971. Zu ihr gehören die vier evangelisch-lutherischen Landeskirchen Braunschweig (405.900 Mitglieder), Hannover (3,03 Millionen), Oldenburg (463.400) und Schaumburg-Lippe (61.180) sowie die Evangelisch-reformierte Kirche mit Sitz in Leer (188.450). Die fünf Kirchen mit insgesamt rund vier Millionen Mitgliedern haben sich zusammengeschlossen, um ihre Interessen gegenüber dem Land Niedersachsen gemeinsam zu vertreten und Gemeinschaftsaufgaben wahrzunehmen.



Als eigene Organe hat die Konföderation eine Synode mit einer Amtszeit von sechs Jahren, in der die Mitgliedskirchen entsprechend ihrer Größe mit insgesamt 48 Kirchenparlamentariern vertreten sind. Außerdem gehören ein Rat, in dem jeweils ein leitender Theologe einer der Mitgliedskirchen den Vorsitz führt, und eine Geschäftsstelle in Hannover dazu. Vorsitzender ist zurzeit der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber.

Zu den Einrichtungen in der Konföderation gehören die Evangelische Erwachsenenbildung, der Kirchliche Dienst in Polizei und Zoll und der Verband Evangelischer Publizistik Niedersachsen-Bremen, in dem auch die Bremische Evangelische Kirche Mitglied ist. Ein Beauftragter vertritt die Konföderation beim Landtag und in Schulangelegenheiten.

Die Konföderation hat gemeinsame Gesetze über das Mitarbeiterrecht und die Mitarbeitervertretungen verabschiedet, außerdem eine Prüfungsordnung für Theologen. Fragen des Dienstrechts für kirchliche Mitarbeiter regelt eine Arbeits- und Dienstrechtliche Kommission, paritätisch besetzt mit Vertretern von Arbeitnehmern und Dienststellen. Der Rechtshof der Konföderation ist ein eigenes kirchliches Verwaltungsgericht.




Internet: www.evangelische-konfoederation.de, www.reformiert.de



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