Bischöfe eröffnen bundesweite "Woche für das Leben"

Nachricht 25. April 2009

Huber und Trelle warnen vor einer einseitig auf Leistung fixierten Gesellschaft

Lüneburg (epd). Mit einem ökumenischen Gottesdienst in Lüneburg haben die beiden großen Kirchen am Samstag die bundesweite "Woche für das Leben" eröffnet. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, warnte vor einem Gesellschaftbild, das einseitig auf Leistung fixiert sei. Wenn ausgerechnet für Menschen, die sich in Pflegeberufen für Schwächere einsetzten, ein Mindestlohn vereinbart werden müsse, zeige dies ein Grundproblem auf, sagte er: "Pflegende und helfende Berufe haben in diesem Land nicht den Stellenwert, den sie verdienen."



Der Hildesheimer katholische Bischof Norbert Trelle rief dazu auf, kranke und behinderte Menschen ins gesellschaftliche Leben mit einzubeziehen. "Menschen mit Grenzen gehören zu unserer Gemeinschaft", mahnte er: "Es ist wieder wichtig geworden, auf diese Selbstverständlichkeit hinzuweisen." Die Fortschritte in der Medizin wolle er nicht schmälern. Sie trügen aber auch zu einem Menschenbild bei, bei dem "das begabte Supertalent" zu einem wünschenswerten Normalbild werde: "Ein solches Menschenbild akzeptieren wir als Kirche nicht."



Auch Bischof Huber betonte, dass allen Menschen die gleiche Würde zukomme: "Normal muss sein, dass wir sagen: Jeder Mensch gilt", sagte er. "Die Menschlichkeit einer Gesellschaft zeigt sich daran, ob sie für Menschen mit Behinderungen einen Ort hat und von ihnen lernt", unterstrich der Ratsvorsitzende im Eröffnungsgottesdienst, den die Bischöfe gemeinsam mit behinderten Menschen gestalteten.



Mit der bundesweiten "Woche für das Leben" wollen die EKD und die katholische Deutsche Bischofskonferenz auf den Wert und die Würde des menschlichen Lebens aufmerksam machen. Mit zahlreichen Veranstaltungen in ganz Deutschland soll die Gesellschaft für den Schutz des Lebens in allen Phasen von der Zeugung bis zum Tod sensibilisiert werden. Die Initiative steht in diesem Jahr unter dem Motto "Gemeinsam - mit Grenzen leben" und wirbt besonders für ein besseres Miteinander mit kranken und behinderten Menschen.



Bei einer Podiumsdiskussion in Lüneburg sagte der Direktor der evangelischen Stiftung Alsterdorf in Hamburg, Hanns-Stephan Haas, es sei kein randständiges Problem, dass Menschen mit Beeinträchtigiungen leben müssten. In Deutschland hätten rund 6,7 Millionen Menschen einen Schwerbehinderten-Ausweis. Das sei etwa jeder Zwölfte. Rund 150.000 Menschen lebten in Heimen. "Nur wenige haben das selbst für sich gewählt", sagte der Leiter des größten diakonischen Unternehmensverbundes in Norddeutschland.



Langfristig gehe es darum, in Schulen, der Arbeitswelt oder bei der Wahl des Wohnortes sämtliche Sonderwelten abzuschaffen. Haas und die Bischöfe Huber und Trelle betonten, dass ein gemeinsames Leben für alle eine Bereicherung sei. Noch gebe es für Menschen mit Beeinträchtigungen jedoch viele praktische Hindernisse.




Das aktuelle Stichwort: Woche für das Leben



Lüneburg (epd). Die "Woche für das Leben" ist eine bundesweite Initiative der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Die Kirchen wollen damit auf den Wert und die Würde des menschlichen Lebens aufmerksam machen. Mit der Aktion soll die Gesellschaft für den Schutz des Lebens in allen Phasen von der Zeugung bis zum Tod sensibilisiert werden. Die diesjährige Woche wird am 25. April in Lüneburg eröffnet.



In vielen katholischen und evangelischen Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen in ganz Deutschland finden Gottesdienste und Veranstaltungen statt. Jedes Jahr steht die "Woche für das Leben" unter einem anderen Schwerpunktthema. In diesem Jahr lautet das Motto "Gemeinsam mit Grenzen leben". Die Kirchen wollen den Blick darauf lenken, dass es den perfekten Menschen nicht gibt und jeder jederzeit in eine Situation kommen kann, in der er selbst Unterstützung benötigt. Wege zum Umgang mit körperlichen und psychischen Grenzen und dem menschlichen Miteinander sollen diskutiert werden.



In den vergangenen Jahren wurden Themen wie der vorherrschende Gesundheitsbegriff, Fragen der Bioethik oder Chancen und Grenzen der modernen Medizin debattiert. Von 2005 bis 2007 lautete das Leitthema "KinderSegen - Hoffnung für das Leben". Seit 2008 ist das Leitthema drei Jahre lang "Gesund oder krank - von Gott geliebt". 2010 soll es um Gerechtigkeit in der Gesundheitsversorgung gehen. Die Woche gibt es seit 1991. Sie geht auf eine Initiative der Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) zurück. 1994 schloss sich die EKD der Aktion an.



Internet: www.woche-fuer-das-leben.de



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